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IV Zum Entwurf des Seyns


Entgegnung und im Streit. Als Widerhalt sind sie wesentlich, aber in ihrer Wesentlichkeit dennoch abkünftig aus dem Ereignis: dies aber ist der krieg- und friedlose Kampf (das wechselweise sich verschenkende Verhelfen in das Wesen) zwischen Entgegnung und Streit.

Ent-gegnung ist die Wesensentscheidung zwischen der sich zuweisenden Gottschaft der Götter und dem Menschentum des Menschen.

Streit ist die Zueignung des Wesens von Welt und Erde.

Der Kampf beider ist im Wesen lichtend, und das Gelichtete ist zuletzt er selbst als das Sichverweigernde, der ab-gründige Grund.

Diese Lichtung ist die Wahrheit des Seyns, welches Seyn selbst die Wahrheit ist.

Von der »Welt« und von der »Erde«, vom Menschen und vom Gott her — aber zugleich immer aus ihrem Streit und ihrer Entgegnung und zuvor aus dem Kampf dieser — kann und muß das Seyn als Ereignis denkerisch erfragt werden.

Das Seyn west als der Austrag der Entgegnung und des Streites in der Weise zugleich der Ereignung des Da als des Grundes der im Er-eignis waltenden Lichtung.

Der Aus-trag trägt lichtend erst die so selbst lichtende Entgegnung und ihr Er-gegnetes (Gottschaft und Menschentum), insgleichen und in der Kreuzung dieser Entgegnung den selbst eröffnenden Streit und sein Offenes (Erde und Welt) in ihr »Wesen« — will sagen: in ihr Zuragen in den Ab-grund, als welchen das Seyn sich ereignet. Der Austrag ist Er-eignis.

Das Er-fragen des Seyns kommt nie — abgesetzt zuvor vom Seyn und es gleichsam erst überfallend — über dieses, sondern ist selbst zuvor ein nur sich vergessendes und dem Seienden dienstbares, im Grunde vom Seyn er-eignetes Bedenken der Seiendheit des Seienden.

Der Austrag meint nicht Erledigung und Beseitigung, sondern Eröffnung, Lichten der Lichtung — Er-eignis als Austrag — Austrag wesentlich dem Abgrund.


Martin Heidegger (GA 66) Besinnung