„aufgenötigte“. Daß hier noch eine kausale Beziehung vorliegt, ist klar.
4. Es erhebt sich jetzt die spezielle Frage : Wie ist eine Bestimmung der Realitäten, d.i. der erzwingenden Faktoren möglich? Diese Bestimmung wird inhaltlich normiert durch die konstatierten Beziehungen, d. h. sie muß so ausfallen, daß die Relate als befähigt dargestellt sind, das reale Geschehen auszuführen. Külpe fixiert den Gedanken kurz: „Die Natursubstanzen sind die Inbegriffe der Vermögen, die an sie geknüpften realen Beziehungen, Zustände und Veränderungen stattfinden zu lassen“ (EN 27). Eine vollgültige, adäquate Bestimmung der gesetzten Realitäten wird für die Realwissenschaften ein ideales Ziel bleiben. Wären auch alle erfahrbaren Relationen aufgezeigt, so ist doch im Auge zu behalten, daß es unselbständiges Reales gibt, das wir mit unserer Sinneserkenntnis nicht erreichen, und wären unsere Sinnesorgane auch mit den feinsten Instrumenten bewaffnet. Und ob erst die eigentliche Natur der Realitäten eindeutig bestimmt werden kann? Desungeachtet bleibt der Wissenschaft immer noch ein weites Feld zur Beackerung. Neben dem materialen Fortschritt weist die Geschichte der Wissenschaften unzweideutig ein Vorwärtsdrängen in der normalen Bestimmung der Objekte auf.
Allein, muß eine im Sinne des kritischen Realismus erstrebte Realitätsbestimmung nicht Halt machen vor dem Schlagbaum, der anscheinend durch das Prinzip der Subjektivität der Sinnesqualitäten aufgerichtet ist? Freilich werden die Realitäten durch die Befolgung dieses Prinzips ihren anschaulichen Charakter verlieren; damit sind aber diese als solche nicht aufgehoben. Es muß dann allerdings mit dem erkenntnistheoretischen Dogma des Sensualismus gebrochen werden, daß alle Erkenntnis am Anschaulichen haften bleibe. Das tatsächliche praktische Verhalten der Realwissenschaften kennt dieses Vorurteil nicht20.
20 Auf psychologischem Gebiete haben gerade die Arbeiten der Würzburger psych. Schule über das höhere geistige Leben ein energisches Losringen von der sensualistischen Psychologie eingeleitet, die in den Empfindungen und deren Reproduktionen die einzigen BewuÛtseinselemente sieht. Vgl. Geyser, Einfuhrung in die Psychol, der Denkvorgänge. Padb. 1909 ; fer-ner N. Kostyleff, Rév. philos. XXXV (1910) 12, S. 553-580: Les traveaux de l'école de Wurzbouxg. L'étude objective de la Pensée.