Mathematikers und Philosophen B. Bolzano gebracht hat. Der geplante Neudruck des selten gewordenen Werkes wird wohl in Bälde erscheinen. In diesem Zusammenhang möchte ich den Namen eines deutschen Mathematikers nicht unerwähnt lassen. G. Freges logisch-mathematische Forschungen sind meines Erachtens in ihrer wahren Bedeutung noch nicht gewürdigt, geschweige denn ausgeschöpft. Was er in seinen Arbeiten über „Sinn und Bedeutung“4, über „Begriff und Gegenstand“5 niedergelegt hat, darf keine Philosophie der Mathematik übersehen; es ist aber auch im gleichen Maße wertvoll für eine allgemeine Theorie des Begriffs. Wenn Frege den Psychologismus im Prinzip wohl überwand, so hat doch Husserl erst in seinen „Prolegomena zur reinen Logik“6 das Wesen, die relativistischen Konsequenzen und den theoretischen Unwert des Psychologismus systematisch und umfassend auseinandergelegt. Husserls Kritik zielt in Sonderheit gegen J. St. Mill, Chr. Sigwart, B. Erdmann und Th. Lipps. Aber in der jüngsten Zeit scheint Lipps von seiner früheren Position abzurücken, was ihm seine Auffassung der Psychologie und ihrer Aufgaben, die sich der Husserls in vielen Stücken verwandt zeigt, erleichtern mag. Daß aber der Psychologismus immer noch zu halten versucht wird, beweist die im übrigen scharfsinnige Arbeit von G. Heymans, „Die Gesetze und Elemente des wissenschaftlichen Denkens“7.
Als Psychologismus ganz allgemein begreift man das Vorwalten psychologischer Prinzipien, Methoden und Begründungsweisen im Betrieb der Logik. Logik handelt vom Denken. Das Denken ist unbestritten einzuordnen in jenen Tatsachenkomplex,
4 Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik. Bd. 100 (1892).
5 Vierteljahresschrift für wissenschaftliche Philosophie XVI (1892).
6 Logische Untersuchungen I.
7 2. Auf. Leipzig 1906. Die Arbeit, die fast auf jeder Seite zum Widerspruch reizt, ist herangezogen worden, um die Charakteristik des Psychologismus konkreter zu gestalten; im übrigen halten wir beim heutigen Stande der logischen Forschung jede Widerlegung psychologis tischer Verirrungen für eine müßige Arbeit.