im Gegenstand erfüllt oder nicht13. Die dem negativen Urteil vorangehende „synthetische Intention“ scheint mit den „affirmativen Annahmen“ identisch zu sein, die Meinong am negativen Urteil beteiligt sein läßt. Geyser will zwar seine Analyse als eine logische betrachtet sehen, die nichts mit der psychologischen Frage zu tun hat, wie die negativen Urteile zustande kommen, allein das „versuchte positive Urteil“, das jeweils ein negatives fundieren soll, ist kein rein logisches, spezifisches Moment, weil ein „versuchtes Urteil“ auch dem bestimmten positiven vorausgehen kann. Nicht danach ist gefragt, wie über den Gegenstand ein bestimmtes negatives Urteil möglich sei, sondern was ist der Sinn eben dieses gefällten negativen Urteils.
III
Im weiteren Verfolg der Urteilslehre übergehen wir eine ausführliche Besprechung der Einteilungen nach Quantität1, Relation und Modalität. Vermerkt sei jedoch, daß von bedeutenden Logikern (Lotze, Windelband) die quantitativen und modalen Einteilungsprinzipien als nicht rein logische ausgeschieden werden. Das viel diskutierte hypothetische Urteil soll jedoch gestreift werden. Die Aussage: „Wenn der Luftdruck wächst, erhöht sich der Siedepunkt der Flüssigkeit“ (Kreibig), besteht aus zwei Sätzen, ist aber nur ein Urteil. Und zwar ist Gegenstand der Behauptung weder der Nachsatz noch der Vordersatz. Vielmehr wird „das Vorhandensein eines Verhältnisses von Grund und Folge“ prädiziert2. Kant hat schon dieselbe Bestimmung
13 Ebd. 54 169 f.
1 Erkenntnistheoretisch bedeutsam ist die Unterscheidung von Umfang und Geltungsbereich der Begriffe hei A. Riehl, Beiträge zur Logik Leipzig 1912. Die zum erstenmal in der Vierteljahresschrift für Wissenschaft! Philos. XVI (1892) Iff. 133ff. erschienenen Artikel dürfen heute noch das Interesse der Logiker beanspruchen.
2 Geyser, Grundlagen der Logik und Erkenntnislehre, S. 226. Damit übereinstimmend Kreibig: „ ... geht die Behauptung bei hypothetischen Urteilen auf die Tatsache der nicht umkehrbaren Abhängigkeitsrelation Bedingung — Bedingtes“ (Die intellektuellen Funktionen, S. 166 f.).