VORWORT
zur ersten Ausgabe der „Frühen Schriften" (1972)

Zur Zeit der Niederschrift der vorliegenden, im wörtlichen Sinne hilf-losen frühen Versuche, wußte ich noch nichts von dem, was später mein Denken bedrängte.

Gleichwohl zeigen sie einen mir damals noch verschlossenen Wegbeginn: in der Gestalt des Kategorienproblems die Seinsfrage, die Frage nach der Sprache m der Form der Bedeutungslehre. Die Zusammengehörigkeit beider Fragen blieb im Dunkel. Die unvermeidliche Abhängigkeit ihrer Behandlungsart von der herrschenden Maßgabe der Lehre vom Urteil für alle Onto-Logik ließ das Dunkel nicht einmal ahnen.

Die genannten Fragebereiche wiesen freilich überall auf Aristoteles zurück, in dessen Texten ich schon vor der Abfassung der vorliegenden Schriften, unbeholfen genug, das Denken zu lernen versuchte. Die geschichtliche Rückbeziehung des mittelalterlichen Denkens auf Aristoteles sachgerecht mitdarzustellen, konnte ich nicht wagen.

Einige Züge der geistigen Welt, die meine frühen Versuche unausgesprochen bestimmten, sind in der kurzen Antrittsrede genannt, die ich 1957 bei der Aufnahme in die Heidelberger Akademie der Wissenschaften gehalten habe. Sie lautete*:

„Bei jedem Aufenthalt erscheint der gewiesene Weg für den Rückblick und aus dem Vorblick in einem anderen Licht, mit anderem Ton und weckt andere Deutungen. Einige Züge freilich, einem selbst kaum erkennbar, führen nach derselben Weise durch die Gegenden des Denkens. Deren Gesicht zeigt sich in der kleinen 1947/48 geschriebenen Schrift ,Der Feldweg'.

An den humanistischen Gymnasien zu Konstanz und Freiburg i. Br. gab es zwischen den Jahren 1903 und 1909 ein fruchtbares Lernen bei ausgezeichneten Lehrern der griechischen, lateinischen und deutschen Sprache. Außerhalb der


* Vgl. Sitzungsberichte der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Jahresheft 1957/58. S. 20/21.

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