wie kaum einer anderen geschichtlich aufgetretenen Erkenntnistheorie, die letzten Fragen der Philosophie mit ihrer ganzen Schwere zur Entscheidung stehen. Wir beschränken uns also auf positive Darlegungen und versuchen jetzt eine allgemeine Klärung der Strukturbestandteile des Urteils.
§ 4. Die Elemente des Urteilsa
Aus dem Wesen des Urteils, wie es eben bestimmt wurde, ergibt sich notwendig seine Zweigliedrigkeit. Und sofern zwischen den Gliedern ebenso notwendig eine Relation besteht, ergeben sich drei Urteilselemente. Man könnte hier geltend machen, diese Feststellungen seien grammatisch orientiert und deshalb nicht ursprünglich logisch. Der regelmäßige kategorische Aussagesatz „Der Einband ist gelb“ hat allerdings zwei Glieder; allein, man kann bestreiten, daß in ihm gerade das eigentlich ursprüngliche Urteil zum Ausdruck gelangen soll
Wir lassen einmal die Frage, ob in dem vorliegenden Satz ein ursprüngliches Urteil gegeben ist oder nicht, noch unbeantwortet und betrachten ein anderes Urteil: „a ist gleich b.“ In diesem Satz ist „a“ das Subjekt, „ist gleich b“ das Prädikat, die Kopula mit einbegriffen. Was ist der Sinn des Urteils, das der fragliche Satz sprachlich formuliert? Dem Gesagten zufolge: von a . . b (in Relation) gilt das Gleichsein. Wählt man jetzt für den Urteilsgegenstand die traditionelle Bezeichnung Subjekt und
weiteres eindeutig zu fixieren und zu klären ist. Vor allem dürfte meines Erachtens das Problem der Negation durch Berücksichtigung des „immanenten Sinnes“, der aber nur „vom transzendenten Ipgischen Gehalt her zu deuten" ist, viel an sicherer Faßbarkeit gewinnen.
Aus den Grundansdiauungen Rickerts heraus ist dann die bedeutsame größere Arbeit von E. Lask entstanden: Die Lehre vom Urteil. Tübingen 1912. Eine gründliche Auseinandersetzung mit dieser nicht zu umgehenden Urteilslehre liegt bis jetzt nicht vor.
a 1. Auflage 1914: Zu § 4. Vgl. Steinthal, Geschichte der Sprachwissenschaft bei den Griechen und Römern-1. Teil, 2. Auflage, Berlin 1890, S. 125 ff.
„Die Verbindung des Prädikats mit dem Subjekt ist ein wahres, édités Problem. Die Megariker haben das Verdienst, dasselbe ins Bewußtsein gebracht, zum Gegenstand der Forschung gemacht zu haben.“ a. a. O. S. 127.