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Die Kategorien- und Bedeutungslehre des Duns Scotus

Die Philosophie kann ihre eigentliche Optik, die Metaphysik, auf die Dauer nicht entbehren. Für die Wahrheitstheorie bedeutet das die Aufgabe einer letzten metaphysisch-teleologischen Deutung des Bewußtseins. In diesem lebt ureigentlich schon das Werthafte, insofern es sinnvolle und sinnverwirklichende lebendige Tat ist, die man nicht im entferntesten verstanden hat, wenn sie in den Begriff einer biologischen blinden Tatsächlichkeit neutralisiert wird.

Innerhalb des Reichtums der Gestaltungsrichtungen des lebendigen Geistes ist die theoretische Geisteshaltung nur eine, weshalb es ein prinzipieller und verhängnisvoller Irrtum der Philosophie als „Weltanschauung" genannt werden muß, wenn sie sich mit einem Buchstabieren der Wirklichkeit begnügt und nicht, was ihres eigentlichsten Berufes ist, über eine immer vorläufige, die Gesamtheit des Wißbaren aufraffende Zusammenfassung hinaus auf einen Durchbruch in die wahre Wirklichkeit und wirkliche Wahrheit abzielt. Nur mit dieser Orientierung am Begriff des lebendigen Geistes und seiner „ewigen Bejahungen" (Fr. Schlegel) wird die erkenntnistheoretische Logik vor einer ausschließlichen Beschränkung auf das Studium der Strukturen bewahrt bleiben und den logischen Sinn auch seiner ontischen Bedeutung nach zum Problem machen. Dann allererst wird eine befriedigende Antwort möglich sein, wie der „unwirkliche" „transzendente" Sinn uns die wahre Wirklichkeit und Gegenständlichkeit verbürgt

So radikal gerade von Lask die Strukturprobleme in der Urteils- und Kategorienlehre herausgestellt wurden, so unaufhaltsam ist er selbst von seinem Problemzusammenhang zu den metaphysischen Problemen getrieben worden, ohne daß ihm letzteres vielleicht voll bewußt wurde. Und gerade in seinem durch die Übergegensätzlichkeit charakterisierten Gegenstandsbegriff liegt ein fruchtbares Element, in dem jetzt noch vielfach auseinanderstrebende Erkenntnistheorien zusammengeschlossen werden können. Dabei sollen die mit dem Gegensatz- und Wertproblem verknüpften Schwierigkeiten, das Problem der

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