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Das Kategorienproblem.

ontischen Deutung und logischen Fassung des „Gegenstandes“ nicht verkannt werden5.

Bei einer so gearteten transzendental-ontischen Fassung des Gegenstandsbegriffes verliert dann das Problem der „Anwendung“ der Kategorien seinen Sinn; das um so sicherer, je mutiger man Ernst macht mit der prinzipiellen Bedeutung des — nicht etwa „individualistisch“ gedeuteten — Satzes der Immanenz, dessen meines Erachtens notwendige, nur metaphysisch durchführbare letzte Begründung aus dem angedeuteten Begriff des lebendigen Geistes zu bewerkstelligen sein wird. Wenn irgendwo, dann muß gerade beim Problem der Anwendung der Kategorien, sofern man es überhaupt als ein mögliches Problem zugibt, die nur objektiv-logische Behandlungsart des Kategorienproblems als halbseitig erkannt werden6.

Das erkenntnistheoretische Subjekt deutet nicht den metaphysisch bedeutsamsten Sinn des Geistes, geschweige denn seinen Vollgehalt. Und erst durch Hineinstellung in diesen erhält das Kategorienproblem seine eigentliche Tiefendimension und Bereicherung. Der lebendige Geist ist als solcher wesensmäßig historischer Geist im weitesten Sinne des Wortes. Die wahre


5 Zu diesem Problem hofft der Verfasser demnächst in einer eingehenderen Untersuchung über Sein, Wert und Negation prinzipielle Festsetzungen beibringen zu können.

6 Leider ist auch Külpe — was bei seiner durchgängigen Bevorzugung der „objektiven Logik“ verständlich wird — gerade bei diesem Problem wie denn überhaupt nirgends auf Lasks „Lehre vom Urteil“ (1912) eingegangen, eine Untersuchung, der ich für die Kategorienlehre eine noch weitertragende Bedeutung zumessen muß als der „Logik der Philosophie“. Das Urteilsbuch ist ungewöhnlich reich an fruchtbaren Perspektiven, weshalb es um so mehr bedauert werden muß, daß es Külpe bei seiner vorbildlich vornehmen Art der Auseinandersetzung nicht mehr vergönnt blieb, seine Stellungnahme zu Lask in dem m. E. alles entscheidenden Urteilsproblem den Fachkreisen vorzulegen. Und es gilt heute von Külpe selbst, was er in seiner letzten Arbeit von Lask schrieb: „Sicherlich hätte der hochhegabte Forscher sich dieser Konsequenz seiner tiefdringenden Gedankengänge [über das Problem der Formdifferenzierung, d. Verf.] im späteren Verlauf seiner Entwicklung auch nicht entzogen, wenn er nicht durch ein herbes Geschick uns allzu früh entrissen worden wäre.“ Zur Kategorienlehre. S. 26, Anm. 3.


Martin Heidegger (GA 1) Frühe Schriften

GA 1