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§ 44. Dasein, Erschlossenheit und Wahrheit

ist, das heißt, daß es in Selbigkeit so ist, als wie seiend es in der Aussage aufgezeigt, entdeckt wird. Es werden nicht Vorstellungen verglichen, weder unter sich, noch in Beziehung auf das reale Ding. Zur Ausweisung steht nicht eine Übereinstimmung von Erkennen und Gegenstand oder gar von Psychischem und Physischem, aber auch nicht eine solche zwischen »Bewußtseinsinhalten« unter sich. Zur Ausweisung steht einzig das Entdeckt-sein des Seienden selbst, es im Wie seiner Entdecktheit. Diese bewährt sich darin, daß sich das Ausgesagte, das ist das Seiende selbst, als dasselbe zeigt. Bewährung bedeutet: sich zeigen des Seienden in Selbigkeit.15 Die Bewährung vollzieht sich auf dem Grunde eines Sichzeigens des Seienden. Das ist nur so möglich, daß das aussagende und sich bewährende Erkennen seinem ontologischen Sinne nach ein entdeckendes Sein zum realen Seienden selbst ist.

Die Aussage ist wahr, bedeutet: sie entdeckt das Seiende an ihm selbst. Sie sagt aus, sie zeigt auf, sie »läßt sehen« (άπόφανσις) das Seiende in seiner Entdecktheit. Wahrsein (Wahrheit) der Aussage muß verstanden werden als entdeckend-sein. Wahrheit hat also gar nicht die Struktur einer Übereinstimmung zwischen Erkennen und Gegenstand im [219] Sinne einer Angleichung eines Seienden (Subjekt) an ein anderes (Objekt).


15 Zur Idee der Ausweisung als »Identifizierung« vgl. Husserl, Log. Unters.z Bd. II, 2. Teil, VI. Untersuchung. Über »Evidenz und Wahrheit« ebd. §§ 56—39, S. 115 ff. Die üblichen Darstellungen der phänomenologischen Wahrheitstheorie beschränken sich auf das, was in den kritischen Prolegomena (Bd. 1) gesagt ist, und vermerken den Zusammenhang mit der Satzlehre Bolzanos. Die positiven phänomenologischen Interpretationen dagegen, die von Bolzanos Theorie grundverschieden sind, läßt man auf sich beruhen. Der Einzige, der außerhalb der phänomenologischen Forschung die genannten Untersuchungen positiv aufnahm, war E. Lask, dessen »Logik der Philosophie« (1911) ebenso stark von der VI. Unters. (Über sinnliche und kategoriale Anschautingen S. 128 ff.) bestimmt ist, wie seine »Lehre vom Urteil« (1912) durch die genannten Abschnitte über Evidenz und Wahrheit.


Martin Heidegger (GA 2) Sein und Zeit

GA 2