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§ 3. Grundlegung als Kritik der reinen Vernunft

ten, welches so schon besser mit der verlangten Möglichkeit einer Erkenntnis derselben a priori zusammenstimmt, die über Gegenstände, ehe sie uns gegeben werden, etwas festsetzen soll"10.

Kant will damit sagen: nicht „alle Erkenntnis" ist ontische, und wo solche vorliegt, wird sie nur möglich durch eine ontologische. Durch die Kopernikanische Wendung wird der „alte" Wahrheitsbegriff im Sinne der „Angleichung" (adaequatio) der Erkenntnis an das Seiende so wenig erschüttert, daß sie inn gerade voraussetzt, ja ihn allererst begründet. An Seiendes („Gegenstände") kann sich ontische Erkenntnis nur angleichen, wenn dieses Seiende als Seiendes zuvor schon offenbar, d.h. in seiner Seinsverfassung erkannt ist. Nach dieser letzten Erkenntnis müssen sich die Gegenstände, d. h. ihre ontische Bestimmbarkeit, richten. Offenbarkeit des Seienden (ontische Wahrheit) dreht sich um die Enthülltheit der Seinsverfassung des Seienden (ontologische Wahrheit); nie aber kann ontische Erkenntnis für sich „nach" den Gegenständen sich richten, weil sie ohne die ontologische nicht einmal ein mögliches Wonach haben kann.

Hiermit ist deutlich geworden: die Grundlegung der überlieferten Metaphysik setzt bei der Frage der inneren Möglichkeit der Ontologie als solcher an. Warum wird diese Grundlegung aber zu einer „Kritik der reinen Vernunft"?


§ 3. Die Grundlegung der Metaphysik als „Kritik der reinen Vernunft"


Kant bringt das Problem der Möglichkeit der Ontologie auf die Frage: „Wie sind synthetische Urteile a priori möglich?" Die Auslegung dieser Problemformel verschafft die Erklärung dafür, daß die Grundlegung der Metaphysik als eine Kritik der reinen Vernunft durchgeführt wird. Die Frage nach der


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