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Grundlegung der Metaphysik in ihrer Ursprünglichkeit

Sichgebenden nicht verborgen bleiben. Ob jetzt nicht auch ebenso unwiderstehlich in der transzendentalen Interpretation des reinen Denkens bei aller Spontaneität sich gerade eine reine Rezeptivität herausstellen muß? Offenbar. Sie hat sich durch die obige Interpretation der transzendentalen Deduktion und des Schematismus längst herausgestellt.

Um den wesenhaften Anschauungscharakter des reinen Denkens zu sehen, muß nur das echte Wesen des endlichen Anschauens als eines Hinnehmens von Sichgebendem begriffen und festgehalten werden. Nun ergab sich aber als Grundcharakter der „Einheit" der transzendentalen Apperzeption, daß sie, im vorhinein ständig einigend, wider alles Geratewohl ist. Im vorstellenden Sich-zuwenden-zu ... wird daher dieses Dawider und nichts anderes entgegengenommen. Das frei bildende Entwerfen der Affinität ist in sich ein vorstellend hinnehmendes Sich-unterwerfen unter sie. Die Regeln, die im Verstand als dem Vermögen der Regeln vorgestellt werden, sind nicht als etwas „im Bewußtsein" Vorhandenes erfaßt, sondern die Regeln des Verbindens (Synthesis) werden gerade als bindende in ihrer Verbindlichkeit vorgestellt. Wenn dergleichen wie eine regelnde Regel nur da ist im hinnehmenden Sich-regeln-lassen, dann kann die „Idee" als Vorstellung der Regeln nur vorstellen in der Weise eines Hinnehmens.

In diesem Sinne ist das reine Denken in sich, nicht nachträglich, hinnehmend, d. h. reine Anschauung. Diese struktural einheitliche rezeptive Spontaneität muß demnach der transzendentalen Einbildungskraft entspringen, um das sein zu können, was sie ist. Der Verstand hat als reine Apperzeption den „Grund seiner Möglichkeit" in einem „Vermögen", das „in eine Unendlichkeit von selbstgemachten Vorstellungen und Begriffen hinaussieht"217. Die transzendentale Einbildungskraft entwirft bildend im vorhinein das Ganze der Möglichkeiten, in das sie „hinaussieht", um sich dadurch den Horizont


217 Über die Fortschritte der Metaphysik ..., a. a. Ο. VIII, S. 249.