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§ 43. Einsatz und Gang der Fundamentalontologie

des Daseins — und d. h. seiner Endlichkeit — im Blick zu halten, was durch die leitende Problematik der Seinsfrage gefordert wird.

Die existenziale Analytik der Alltäglichkeit will nicht beschreiben, wie wir mit Messer und Gabel umgehen. Sie soll zeigen, daß und wie allem Umgang mit dem Seienden, für den es gerade so aussieht, als gäbe es eben nur Seiendes, schon die Transzendenz des Daseins — das In-der-Welt-sein — zugrunde liegt. Mit ihr geschieht der obzwar verborgene und zumeist unbestimmte Entwurf des Seins des Seienden überhaupt, so zwar, daß sich dieses zunächst und zumeist ungegliedert und doch im ganzen verständlich offenbart. Dabei bleibt der Unterschied von Sein und Seiendem als solcher verborgen. Der Mensch selbst kommt als ein Seiendes unter dem übrigen Seienden vor.

Das In-der-Welt-sein ist aber nicht erst die Beziehung zwischen Subjekt und Objekt, sondern das, was eine solche Beziehung zuvor schon ermöglicht, sofern die Transzendenz den Entwurf des Seins von Seiendem vollzieht. Dieses Entwerfen (Verstehen) wird nun in der existenzialen Analytik zunächst nur in dem Umkreis sichtbar gemacht, den ihr Einsatz eröffnet. Es gilt nicht so sehr, das Verstehen sogleich bis in die innerste Verfassung der Transzendenz zu verfolgen, als vielmehr, seine wesenhafte Einheit mit der Befindlichkeit und Geworfenheit des Daseins aufzuhellen.

Aller Entwurf — und demzufolge auch alles „schöpferische" Handeln des Menschen — ist geworfener, d.h. durch die ihrer selbst nicht mächtige Angewiesenheit des Daseins auf das schon Seiende im ganzen bestimmt. Die Geworfenheit aber beschränkt sich nicht auf das verborgene Geschehen des Zum-Dasein-kommens, sondern sie durchherrscht gerade das Da-sein als ein solches. Das drückt sich in dem Geschehen aus, das als Verfallen herausgestellt wird. Dieses meint nicht die allenfalls negativ und kulturkritisch abschätzbaren Vorkommnisse im Menschenleben, sondern einen mit dem geworfenen Entwurf