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»Heimkunft I An die Verwandten«

gesparten Fundes ist das Weltalter, da der Gott fehlt. Der »Fehl« des Gottes ist der Grund für das Fehlen »heiliger Nahmen«. Weil jedoch der Fund als der gesparte gleichwohl nahe ist, grüßt im Nahen der Himmlischen der fehlende Gott. Deshalb ist »Gottes Fehl« auch kein Mangel. Darum dürfen die Landesleute auch nicht dahin trachten, durch Listen einen Gott selbst zu machen und so mit Gewalt den vermeintlichen Mangel auf die Seite zu bringen. Sie dürfen aber auch nicht darin sich bequemen, auf einen gewohnten Gott sich nur noch zu berufen. Auf solchen Wegen würde ja die Gegenwart des Fehls versäumt. Ohne die durch den Fehl bestimmte und deshalb sparende Nähe könnte aber der Fund nicht in der Weise nahe sein, wie er nahe ist. Darum gilt für die Sorge des Dichters nur das eine: ohne Furcht vor dem Schein der Gottlosigkeit dem Fehl Gottes nahe zu bleiben und in der bereiteten Nähe zum Fehl so lange zu harren, bis aus der Nähe zum fehlenden Gott das anfängliche Wort gewährt wird, das den Hohen nennt.

Hölderlin hat in dem selben Heft, worin die Elegie »Heimkunft« und die Hymne »Die Wanderung« erschienen, auch ein Gedicht mitgeteilt, das überschrieben ist »Dichterberuf«. Diese Dichtung gipfelt in der Strophe (IV, 147) :


»Furchtlos bleibt aber, so er es muß, der Mann
Einsam vor Gott, es schüzet die Einfalt ihn,
Und keiner Waffen braucht's und keiner
Listen, so lange, bis Gottes Fehl hilft.«


Der Beruf des Dichters ist die Heimkunft, durch die erst die Heimat als das Land der Nähe zum Ursprung bereitet wird. Das Geheimnis der sparenden Nähe zum Freudigsten hüten und es hütend entfalten, das ist die Sorge der Heimkunft. Darum endet die Dichtung in das Wort:


»Sorgen, wie diese, muß, gern oder nicht, in der Seele
Tragen ein Sänger und oft, aber die anderen nicht.«


Wer sind »die anderen«, zu denen das jähe »nicht« gesagt ist? Das Gedicht, das also schließt, trägt über seinem Beginn die


Martin Heidegger (GA 4) Erläuterungen zu Hölderlins Dichtung