und der Dichtkunst nennt, sofern der Dichter als Halbgott der Götter und Menschen Werk, d. h. die Frucht des Brautfestes ist (Wie wenn am Feiertage ... IV, 152). Vielleicht gilt dies nur von den goldenen Träumen. Ihre Unwirklichkeit muß nach dem Sinn des Dichters gedacht werden. Nun ist aber das Unwirkliche schon deshalb nie das bloß Nichtige, weil es entweder das Nichtmehr-Wirkliche oder das Nochnicht-Wirkliche sein kann. Das Unwirkliche enthält dies Entweder-Oder und verbirgt überdies meist die Unentschiedenheit desselben. Gesetzt aber, das Unwirkliche sei das Noch-nicht-Wirkliche, dann west es zwischen der Unwirklichkeit und der Wirklichkeit. Setzen wir einmal im Sinne der Metaphysik die Wirklichkeit gleich mit dem wahrhaften Sein, dann west das Nochnicht-Wirkliche, was auch das bereite Mögliche heißen kann, als der Zustand zwischen Nichtsein und Sein. In die Zeit, da sich Hölderlins Hymnendichtung vorbereitet, fällt eine Abhandlung des Dichters, die überschrieben ist >Das Werden im Vergehen< (III, 309 bis 316). Dort steht der Satz:
(im) Zustande zwischen Seyn und Nichtseyn wird aber überall das Mögliche real, und das wirkliche ideal, und diß ist in der freien Kunstnachahmung ein furchtbarer aber göttlicher Traum.
Das Realwerden des Möglichen als Idealwerden des Wirklichen zeigt im Bereich des freien Bildens der Dichtung die Wesensart eines Traumes. Dieser Traum ist furchtbar, weil er die, denen er sich zeigt, aus dem sorglosen Aufenthalt beim vertrauten Wirklichen heraus- und hineinwirft in den Schrecken des Unwirklichen. Aber dieser furchtbare Traum ist ein göttlicher, weil das in die Wirklichkeit ankommende Mögliche bei seiner Ankunft durch das Kommen des Heiligen geheiligt ist. Dieser ausgezeichnete Traum läßt das Mögliche seiender und das bisher für seiend und wirklich Gehaltene unseiender werden. Dieser Traum zeigt sich dem Dichter, weil der Traum als dieses furchtbargöttliche Unwirkliche das unvordichtbare Gedicht des Heiligen ist. Dieses Gedicht müssen die Dichter sagen. Auf dieses