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Die Wahrheit und die Kunst

im Werk ins Offene gehalten werden: dieses, daß Unverborgenheit des Seienden hier geschehen ist und als dieses Geschehene erst geschieht; dieses, daß solches Werk ist und nicht vielmehr nicht ist. Der Anstoß, daß das Werk als dieses Werk ist und das Nichtaussetzen dieses unscheinbaren Stoßes macht die Beständigkeit des Insichruhens am Werk aus. Dort, wo der Künstler und der Vorgang und die Umstände der Entstehung des Werkes unbekannt bleiben, tritt dieser Stoß, dieses »Daß« des Geschaffenseins am reinsten aus dem Werk hervor.

Zwar gehört auch zu jedem verfügbaren und im Gebrauch befindlichen Zeug, »daß« es angefertigt ist. Aber dieses »Daß« tritt am Zeug nicht heraus, es verschwindet in der Dienlichkeit. Je handlicher ein Zeug zur Hand ist, um so unauffälliger bleibt es, daß z. B. ein solcher Hammer ist, um so ausschließlicher hält sich das Zeug in seinem Zeugsein. Überhaupt können wir an jedem Vorhandenen bemerken, daß es ist; aber dies wird auch nur vermerkt, um alsbald nach der Art des Gewöhnlichen vergessen zu bleiben. Was aber ist gewöhnlicher als dieses, daß Seiendes ist? Im Werk dagegen ist dieses, daß es als solches ist, das Ungewöhnliche. Das Ereignis seines Geschaffenseins zittert im Werk nicht einfach nach, sondern das Ereignis-hafte, daß das Werk als dieses Werk ist, wirft das Werk vor sich her und hat es ständig um sich geworfen. Je wesentlicher das Werk sich öffnet, um so leuchtender wird die Einzigkeit dessen, daß es ist und nicht vielmehr nicht ist. Je wesentlicher dieser Stoß ins Offene kommt, um so befremdlicher und einsamer wird das Werk. Im Hervorbringen des Werkes liegt dieses Darbringen des »daß es sei«.

Die Frage nach dem Geschaffensein des Werkes sollte uns dem Werkhaften des Werkes und damit seiner Wirklichkeit näher bringen. Das Geschaffensein enthüllte sich als das Festgestellt-sein des Streites durch den Riß in die Gestalt. Dabei ist das Geschaffensein selbst eigens in das Werk eingeschaffen und steht als der stille Stoß jenes »Daß« ins Offene. Aber auch im Geschaffensein erschöpft sich die Wirklichkeit des


Martin Heidegger (GA 5) Holzwege

GA 5