und bedenken können, solange er sich in der bloßen Verneinung des Zeitalters herumtreibt. Die aus Demut und Überheblichkeit gemischte Flucht in die Überlieferung vermag für sich genommen nichts, es sei denn das Augenschließen und die Verblendung gegenüber dem geschichtlichen Augenblick.
Wissen, d. h. in seine Wahrheit verwahren, wird der Mensch jenes Unberechenbare nur im schöpferischen Fragen und Gestalten aus der Kraft echter Besinnung. Sie versetzt den künftigen Menschen in jenes Zwischen, darin er dem Sein zugehört und doch im Seienden ein Fremdling bleibt (15). Hölderlin wußte davon. Sein Gedicht, das überschrieben ist »An die Deutschen«, schließt:
»Wohl ist enge begränzt unsere Lebenszeit,
Unserer Jahre Zahl sehen und zählen wir,
Doch die Jahre der Völker,
Sah ein sterbliches Auge sie?
Wenn die Seele dir auch, über die eigne Zeit
Sich die sehnende schwingt, trauernd verweilest du
Dann am kalten Gestade
Bei den Deinen und kennst sie nie.«
Zusätze
(1) Solche Besinnung ist weder für alle notwendig, noch von jedem zu vollziehen oder auch nur zu ertragen. Im Gegenteil: Besinnungslosigkeit gehört weithin zu den bestimmten Stufen des Vollbringens und Betreibens. Das Fragen der Besinnung fällt jedoch nie ins Grund- und Fraglose, weil es im voraus nach dem Sein fragt. Dieses bleibt ihr das Fragwürdigste. An ihm findet das Besinnen den äußersten Widerstand, der es anhält, mit dem ins Licht seines Seins gerückten Seienden ernst zu machen. Die Besinnung auf das Wesen der Neuzeit stellt das Denken und Entscheiden in den Wirkungskreis der eigentlichen