NIETZSCHES WORT »GOTT IST TOT«



Die folgende Erläuterung versucht, dorthin zu weisen, von wo aus vielleicht eines Tages die Frage nach dem Wesen des Nihilismus gestellt werden kann. Die Erläuterung entstammt einem Denken, das beginnt, erst einmal über Nietzsches Grundstellung innerhalb der Geschichte der abendländischen Metaphysik eine Klarheit zu gewinnen. Der Hinweis verdeutlicht ein Stadium der abendländischen Metaphysik, das vermutlich ihr Endstadium ist, da andere Möglichkeiten der Metaphysik insofern nicht mehr sichtbar werden können, als die Metaphysik durch Nietzsche in gewisser Weise sich selbst ihrer eigenen Wesensmöglichkeit beraubt. Der Metaphysik bleibt durch die von Nietzsche vollzogene Umkehrung nur noch die Verkehrung in ihr Unwesen. Das Übersinnliche wird zu einem bestandlosen Produkt des Sinnlichen. Dieses aber verleugnet mit solcher Herabsetzung seines Gegensatzes das eigene Wesen. Die Absetzung des Übersinnlichen beseitigt auch das bloß Sinnliche und damit den Unterschied beider. Die Absetzung des Übersinnlichen endet bei einem WederNoch in Bezug auf die Unterscheidung von Sinnlichem (αἰσθητόν) und Nichtsinnlichem (νοητόν). Die Absetzung endet im Sinnlosen. Sie bleibt jedoch die unbedachte und unüberwindliche Voraussetzung der verblendeten Versuche, sich durch eine bloße Sinn-gebung dem Sinnlosen zu entziehen.

Metaphysik ist im folgenden überall als die Wahrheit des Seienden als solchen im Ganzen gedacht, nicht als Lehre eines Denkers. Dieser hat jeweils seine philosophische Grundstellung in der Metaphysik. Deshalb kann die Metaphysik bei seinem Namen benannt werden. Das sagt aber nach dem hier gedachten Wesen der Metaphysik keineswegs, die jeweilige Metaphysik sei die Leistung und der Besitz des Denkers als einer


Martin Heidegger - Hegels Begriff der Erfahrung (GA 5) Holzwege

GA 5