Er bedeutet sowohl das Ganze der entschränkten Bezüge des reinen Bezuges, als auch die Offenheit im Sinne der überall waltenden Entschränkung.
Das Offene läßt ein. Das Einlassen bedeutet jedoch nicht: Eingang und Zugang gewähren zum Verschlossenen, als sollte Verborgenes sich entbergen, damit es als Unverborgenes erscheine. Einlassen bedeutet: einziehen und einfügen in das ungelichtete Ganze der Züge des reinen Bezuges. Das Einlassen hat als die Weise, wie das Offene ist, den Charakter des Einbeziehens nach der Art der Schwerkraft der reinen Kräfte. Je weniger dem Gewagten der Einlaß in den reinen Bezug verwehrt ist, um so mehr gehört es in das große Ganze des Offenen. Darum nennt Rilke die Wesen, die unmittelbar in dieses Große eingewagt sind und in ihm sich wiegen, die »großgewohnten Dinge« (Späte Gedichte. S. 22). Der Mensch gehört nicht zu ihnen. Der Gesang, der dieses unterschiedene Verhältnis der Lebewesen und des Menschen zum Offenen singt, ist die achte Duineser Elegie. Der Unterschied beruht in den verschiedenen Graden des Bewußtseins. Die Unterscheidung des Seienden nach dieser Hinsicht ist seit Leibniz der neuzeitlichen Metaphysik geläufig.
Was Rilke mit dem Wort »das Offene« denkt, kann aus einem Brief belegt werden, den er im letzten Jahr seines Lebens (25. 2. 1926) an einen russischen Leser schrieb, der ihn über die achte Elegie befragt hatte. (Vgl. M. Betz, Rilke in Frankreich. Erinnerungen — Briefe — Dokumente. 1958. S. 289) Rilke schreibt: »Sie müssen den Begriff des »Offenen«, den ich in dieser Elegie vorzuschlagen versucht habe, so auffassen, daß der Bewußtseinsgrad des Tieres es in die Welt einsetzt, ohne daß es sie sich (wie wir es tun) jeden Moment gegenüber stellt; das Tier ist in der Welt; wir stehen vor ihr durch die eigentümliche Wendung und Steigerung, die unser Bewußtsein genommen hat.« Rilke fährt fort: »Mit dem >Offenen< ist also nicht Himmel, Luft und Raum gemeint, auch die sind, für den Betrachter und Beurteiler, »Gegenstand« und somit