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Wozu Dichter?

Rilkes Gedicht denkt den Menschen als das Wesen, das in ein Wollen gewagt ist, das, ohne es schon zu erfahren, im Willen zum Willen gewillt wird. Dergestalt wollend kann der Mensch mit dem Wagnis so mitgehen, daß er sich dabei selbst, als den sich Durchsetzenden, allem seinem Tun und Lassen vorsetzt. So ist der Mensch wagender als Pflanze und Tier. Demgemäß steht er auch anders in der Gefahr als jene.

Auch von den Wesen (Pflanze und Tier) ist keines besonders geschützt, wenngleich sie ins Offene eingelassen und darin gesichert sind. Der Mensch dagegen ist, als der Sichwollende, durch das Ganze des Seienden nicht nur nicht besonders geschützt, sondern er ist schutzlos (V. 15). Als der Vor- und Herstellende steht er vor dem verstellten Offenen. Dadurch ist er selbst und sind seine Dinge der wachsenden Gefahr ausgesetzt, zum bloßen Material und zur Funktion der Vergegenständlichung zu werden. Der Vorsatz des Sichdurchsetzens entbreitet selbst den Bereich der Gefahr, daß der Mensch sein Selbst an das unbedingte Herstellen verliert. Die Bedrohung, die das Wesen des Menschen anfällt, steigt aus diesem Wesen selbst herauf. Dieses beruht jedoch im Bezug des Seins zu ihm. So wird der Mensch durch sein Sichwollen in einem wesenhaften Sinn bedroht, d. h. schutzbedürftig, aber durch dieselbe Wesensart zugleich schutz-los.

Dieses »unser Schutzlossein« (V. 15) bleibt in gleichem Maß vom Nicht-besonders-geschütztsein der Pflanzen und Tiere [271] verschieden wie deren »dumpfe Lust« vom Sichwollen des Menschen. Der Unterschied ist ein unendlicher, weil von der dumpfen Lust kein Übergang ist zur Vergegenständlichung im Sichdurchsetzen. Aber dieses stellt den Menschen nicht nur »außerhalb von Schutz«, sondern das Durchsetzen der Vergegenständlichung der Welt vernichtet immer entschiedener sogar die Möglichkeit von Schutz. Indem der Mensch die Welt technisch als Gegenstand aufbaut, verbaut er sich willentlich und vollständig den ohnehin schon gesperrten Weg in das Offene. Der sichdurchsetzende Mensch ist, ob er es als einzelner


Martin Heidegger (GA 5) Holzwege