DER SPRUCH DES ANAXIMANDER



Er gilt als der älteste Sprach des abendländischen Denkens. Anaximander soll am Ende des siebenten bis in die Mitte des sechsten Jahrhunderts auf der Insel Samos gelebt haben.

Der Spruch lautet nach dem gewöhnlich angenommenen Text:


ἐξ ὧν δὲ ἡ γένεσίς ἐστι τοῖς οὖσι, καὶ τὴν φθορὰν εἰς ταῦτα γίνεσθαι κατὰ τὸ χρεών· διδόναι γὰρ αὐτὰ δίκην καὶ τίσιν ἀλλήλοις τῆς ἀδικίας κατὰ τὴν τοῦ χρόνου τάξιν.


»Woher die Dinge ihre Entstehung haben, dahin müssen sie auch zu Grunde gehen, nach der Notwendigkeit; denn sie müssen Buße zahlen und für ihre Ungerechtigkeiten gerichtet werden, gemäß der Ordnung der Zeit.« (WW. Bd. X, S. 26)


So übersetzt der junge Nietzsche in seiner 1873 abgeschlossenen Niederschrift einer Abhandlung, die betitelt ist: »Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen«. Die Abhandlung wurde erst dreißig Jahre später im Jahre 1903 nach Nietzsches Tod veröffentlicht. Sie fußt auf einer Vorlesung, die Nietzsche im Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts mehrfach in Basel gehalten hat unter dem Titel: »Die vorplatonischen Philosophen mit Interpretation ausgewählter Fragmente«.

In demselben Jahr 1903, da Nietzsches Abhandlung über die vorplatonischen Philosophen zum ersten Mal der Öffentlichkeit bekannt wurde, erschienen die »Fragmente der Vorsokratiker«, die Hermann Diels nach den Methoden der modernen klassischen Philologie, textkritisch gesichert, mit einer Übersetzung herausgab. Das Werk ist Wilhelm Dilthey gewidmet. Diels übersetzt den Spruch des Anaximander in folgendem Wortlaut:


Martin Heidegger (GA 5) Holzwege