I


Der Wille zur Macht als Kunst


»Zwei Jahrtausende beinahe und nicht
ein einziger neuer Gott!« (1888)

(VII, 235/36. »Der Antichrist«)


Nietzsche als metaphysischer Denker


Nietzsche sagt im »Willen zur Macht«, in dem »Werk«, das in dieser Vorlesung zur Behandlung steht, über die Philosophie folgendes:


»Ich will Niemanden zur Philosophie überreden: es ist notwendig, es ist vielleicht auch wünschenswert, daß der Philosoph eine seltene Pflanze ist. Nichts ist mir widerlicher als die lehrhafte Anpreisung der Philosophie, wie bei Seneca oder gar Cicero. Philosophie hat wenig mit Tugend zu tun. Es sei mir erlaubt zu sagen, daß auch der wissenschaftliche Mensch etwas Grundverschiedenes vom Philosophen ist. — Was ich wünsche ist: daß der echte Begriff des Philosophen in Deutschland nicht ganz und gar zu Grunde gehe.« (»Der Wille zur Macht«, n. 420)


Mit 28 Jahren, als Basler Professor, schrieb Nietzsche:


»Es sind die Zeiten großer Gefahr, in denen die Philosophen erscheinen - dann wenn das Rad immer schneller rollt - sie und die Kunst treten an Stelle des verschwindenden Mythus. Sie werden aber weit vorausgeworfen, weil die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen erst langsam ihnen sich zuwendet.

Ein Volk, das sich seiner Gefahren bewußt wird, erzeugt den Genius.« (X, 112)


Martin Heidegger (GA 6 I) Nietzsche I

GA 6-1