über Nietzsche sind irrig. Der Irrtum wird nur dann erkannt, wenn eine Auseinandersetzung mit Nietzsche zugleich durch eine Auseinandersetzung im Bereich der Grundfrage der Philosophie in Gang kommt. Im voraus darf jedoch ein Wort Nietzsches angeführt werden, das aus der Zeit der Arbeit am »Willen zur Macht« stammt. Es lautet: »Das abstrakte Denken ist für Viele eine Mühsal, — für mich, an guten Tagen, ein Fest und ein Rausch.« (XIV, 24)
Das abstrakte Denken ein Fest? Die höchste Form des Daseins? In der Tat. Aber wir müssen auch zugleich beachten, wie Nietzsche das Wesen des Festes sieht, daß er es nur aus seiner Grundauffassung alles Seienden denken kann, aus dem Willen zur Macht. »Im Fest ist einbegriffen: Stolz, Übermut, Ausgelassenheit; der Hohn über alle Art Ernst und Biedermännerei; ein göttliches Jasagen zu sich aus animaler Fülle und Vollkommenheit, — lauter Zustände, zu denen der Christ nicht ehrlich Ja sagen darf. Das Fest ist Heidentum par excellence.« (»Der Wille zur Macht«, n. 916) Deshalb — so können wir hinzufügen — gibt es auch niemals im Christentum das Fest des Denkens, d. h. es gibt keine christliche Philosophie. Es gibt keine wahrhafte Philosophie, die sich irgendwoher anders als aus sich selbst bestimmen könnte. Es gibt daher auch keine heidnische Philosophie, zumal »das Heidnische« immer noch etwas Christliches ist, das Gegen-Christliche. Man wird die griechischen Denker und Dichter kaum als »Heiden« bezeichnen dürfen.
Feste erfordern eine lange und sorgfältige Vorbereitung. Wir wollen uns in diesem Semester auf dieses Fest vorbereiten, selbst wenn wir nicht bis zur Feier gelangen und nur die Vorfeier des Festes des Denkens ahnen, und erfahren, was Besinnung ist und was das Heimischsein im echten Fragen auszeichnet.