in dem leitenden Zusammenhang der Frage nach dem Willen zur Macht, und zwar aus dem Blick auf das Wesen der Kunst, dann entnehmen wir ihr zugleich zwei wesentliche Sätze über die Kunst:
1. Die Kunst ist die durchsichtigste und bekannteste Gestalt des Willens zur Macht.
2. Die Kunst muß vom Künstler her begriffen werden.
Und jetzt lesen wir weiter (n. 797):
»von da aus hinzublicken auf die Grundinstinkte der Macht. der Natur usw.! Auch der Religion und Moral!«
Hier wird ausdrücklich gesagt, daß mit dem Blick auf das Wesen des Künstlers auch die anderen Gestalten des Willens zur Macht — Natur, Religion, Moral, wir können ergänzen: Gesellschaft und Individuum, Erkenntnis, Wissenschaft, Philosophie — zu betrachten sind. Diese Gestalten des Seienden sind demnach in gewisser Weise Entsprechungen zum Künstlersein, zum künstlerischen Schaffen und Geschaffensein. Das übrige Seiende, was nicht eigens durch Künstler hervorgebracht ist, hat die entsprechende Seinsart wie das vom Künstler Geschaffene, das Kunstwerk. Den Beleg für diesen Gedanken finden wir im unmittelbar voranstehenden Aphorismus n. 796:
»Das Kunstwerk, wo es ohne Künstler erscheint, z.B. als Leib, als Organisation (preußisches Offizierkorps, Jesuiten orden). Inwiefern der Künstler nur eine Vorstufe ist.
Die Welt als ein sich selbst gebärendes Kunstwerk —«
Offensichtlich wird hier der Begriff der Kunst und des Kunstwerkes auf alles Hervorbringenkönnen und jedes wesentliche Hervorgebrachte ausgeweitet. Das entspricht in gewisser Weise auch dem Sprachgebrauch, wie er bis an die Schwelle des 19. Jahrhunderts üblich ist. Bis dahin heißt Kunst jede Art von Hervorbringenkönnen. Der Handwerker, der Staatsmann, der Erzieher sind als Hervorbringende Künstler. Auch die Natur ist eine »Künstlerin«. Kunst meint hier nicht den heutigen verengten