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Der Wille zur Macht als Kunst

verwandelt. Wesentlich bleibt hier zu beachten: das Gefühl ist nichts, was nur im »Innern« sich abspielt, sondern das Gefühl ist jene Grundart unseres Daseins, kraft deren und gemäß der wir immer schon über uns weggehoben sind in das so und so uns angehende und nicht angehende Seiende im Ganzen. Stimmung ist nie ein bloßes Gestimmtsein m einem Innern für sich, sondern ist zuerst ein so und so sich Be-stimmen- und Stimmenlassen m der Stimmung. Die Stimmung ist gerade die Grundart, wie wir außerhalb unserer selbst smd. So aber smd wir wesenhaft und stets.

In all dem schwingt der Leibzustand, hebt uns mit über uns weg oder läßt den Menschen sich in sich selbst verfangen und stumpf werden. Wir sind nicht zunächst »lebendig« und haben dann dazu noch eine Apparatur, genannt Leib, sondern wir leben, indem wir leiben. Dieses Leiben ist etwas wesentlich anderes als nur ein Behaftetsein mit einem Organismus. Das Meiste, was wir in der Naturwissenschaft vom Leib und seinem Leiben kennen, sind Feststellungen, bei denen der Leib zuvor zum bloßen Körper mißdeutet wird. Dabei läßt sich sehr viel finden, nur ist das Wesentliche und Bestimmende immer schon außerhalb des Blickes und des Griffes; das hinterherlaufende Suchen nach dem »Seelischen« zu dem vorher als Körper mißdeuteten Leih hat den Sachverhalt schon verkannt.

Jedes Gefühl ist ein so und so gestimmtes Leiben, eine so und so leibende Stimmung. Der Rausch ist ein Gefühl, und er ist um so echter ein Gefühl, je wesentlicher die Einheit des leibenden Gestimmtseins herrscht. Von einem völlig Betrunkenen können wir nur sagen: er »hat« einen Rausch; er ist aber nicht berauscht. Der Rausch ist hier nicht der Zustand, in dem er bei sich selbst über sich hinaus ist, sondern was wir hier Rausch nennen, ist nach dem gemeinen Ausdruck eine bloße »Besoffenheit«, die gerade jede Möglichkeit des Zustandes raubt.

Nietzsche betont am Rausch zunächst das Doppelte: 1. Das Gefühl der Kraftsteigerung. 2. Das Gefühl der Fülle. Nach dem vorhin Geklärten muß diese Kraftsteigerung als das über-sich-hinaus-Vermögen


Martin Heidegger (GA 6 I) Nietzsche I

GA 6-1