und dieser physiologisch begriffen werden muß, ist die Kunst die bekannteste Gestalt des Willens zur Macht, zugleich aber die durchsichtigste. Der ästhetische Zustand ist ein Tun und Aufnehmen, das wir selbst vollziehen. Wir wohnen diesem Geschehnis nicht nur als Beobachter bei, sondern halten uns selbst in diesem Zustand. Unser Dasein empfängt von ihm den erhellten Bezug zum Seienden, die Sicht, in der uns das Seiende sichtbar wird. Der ästhetische Zustand ist das Sichtige, durch das wir ständig hindurchsehen, so daß uns hier alles durchschaubar wird. Die Kunst ist die durchsichtigste Gestalt des Willens zur Macht.
Der zweite Satz lautet: Die Kunst muß vom Künstler her begriffen werden. Daß Nietzsche die Kunst vom schaffenden Verhalten des Künstlers her faßt, hat sich gezeigt, aber nicht, »arum dies notwendig ist. Die Begründung für die in dem Satz ausgesprochene Forderung ist so merkwürdig, daß sie keine ernsthafte Begründung zu sein scheint. Die Kunst wird im vorhinein als eine Gestalt des Willens zur Macht angesetzt. Der Wille zur Macht aber ist als Selbstbehauptung ein ständiges Schaffen: demzufolge wird die Kunst daraufhin befragt, was in ihr das Schaffende ist, der Überfluß oder der Mangel. Das Schaffen innerhalb der Kunst ist aber wirklich in der hervorbringenden Tätigkeit des Künstlers. Also gewährleistet der Ansatz der Frage bei der Tätigkeit des Künstlers am ehesten den Zugang zum Schaffen überhaupt und damit zum Willen zur Macht. Der Satz ist eine Folge des Grundsatzes von der Kunst als einer Gestalt des Willens zur Macht.
Die Aufstellung und Begründung dieses Satzes meint nicht: Nietzsche hat die bisherige Ästhetik vor sich und erkennt, daß sie nicht zureicht, bemerkt auch, daß sie, wenngleich nicht ausschließlich, vom empfangenden Menschen ausgeht. Angesichts dieser Tatsachen kommt er auf den Einfall, einmal einen anderen Weg zu versuchen, vom Schaffenden her. Indes bleibt erste und leitende Grunderfahrung von der Kunst selbst die, daß sie eine geschichtsgründende Bedeutung hat und daß hierin ihr