Das so ist«. Diese Wertschätzung hat den Charakter eine »Glaubens«. Aber was heißt »Glauben«? Glauben meint: das und das für so und so seiend halten. »Glauben« bedeutet nicht Zustimmung zu etwas und Annahme von etwas, was man selbst nicht eigens als Seiendes gesehen hat, bzw. nie mit eigenen Augen als seiend fassen kann, sondern glauben heißt hier: etwas, nämlich etwas dem Vorstellen Begegnendes, für so und so seiend halten. Glauben ist dafürhalten, und zwar jeweils für seiend halten. Glauben heißt also hier keinesfalls Zustimmung zu einer nicht einsichtigen, vernunftmäßig unzugänglichen, aber von einer Autorität als wahr verkündeten Lehre, heißt auch nicht Vertrauen auf eine Verheißung und Verkündigung. Die Wahrheit als Wertschätzung, d.h. als dafürhalten, d.h. als für und so seiend halten, steht in einem Wesenszusammenhang mit dem Seienden als einem solchen. Das Wahre ist das für seiend für so und so seiend Gehaltene, das für seiend Genommene. Das Wahre ist das Seiende.
Wahrheit ist — wenn im Wesen Wertschätzung — gleichbedeutend mit Fürwahrhalten. Etwas für etwas halten und als solches setzen, nennt man auch urteilen. Nietzsche sagt: »Das Urteilen ist unser ältester Glaube, unser gewohntestes Für-wahr- oder Für-unwahr-halten« (n. 531; 1885/86). Das Urteil, die Aussage von etwas über etwas, ist in der Überlieferung der abendländischen Metaphysik das Wesen der Erkenntnis, zu der das Wahrsein gehört. Und etwas für das halten, was es ist, es als so und so seiend vor-stellen, im Vorstellen sich an das Hervortretende und Begegnende angleichen — das ist das Wesen der Wahrheit als Richtigkeit. Demnach denkt Nietzsche in dem erläuterten Satz, der sagt, Wahrheit sei eine Wertschätzung, im Grunde nichts anderes als: Wahrheit ist Richtigkeit. Er scheint den Spruch, Wahrheit sei eine Illusion, ganz vergessen zu haben. Nietzsche scheint sogar in völliger Übereinstimmung mit Kant zu stehen der in seiner »Kritik der reinen Vernunft« einmal ausdrücklich vermerkt, die Erklärung der Wahrheit als »Übereinstimmung der Erkenntnis mit ihrem Gegenstände« werde hier »geschenkt