mächtigung der Macht auf. Wahrheit wird jetzt wieder das-selbe wie das Sein, nur daß dieses inzwischen die Vollendung in sein Unwesen übernommen hat. Wenn aber die Wahrheit als Richtigkeit und als Unverborgenheit in die »Lebens-gemäßheit« eingeebnet, wenn die Wahrheit so beseitigt ist, dann hat das Wesen der Wahrheit jede Herrschaft eingebüßt. Es kann im Bezirk der Vormacht der aussichtslosen, d. h. lichtungsberaubten »Perspektiven« und »Horizonte« nicht mehr eines Erfragens würdig werden. Was aber ist dann? Dann beginnt die Sinngebung als »Umwertung aller Werte«. Die »Sinnlosigkeit« wird zum einzigen »Sinn«. Wahrheit ist »Gerechtigkeit«, d. h. höchster Wille zur Macht. Dieser »Gerechtigkeit« wird nur die unbedingte Erdherrschaft des Menschen gerecht. Die Einrichtung in das Planetarische aber ist bereits nur die Folge der unbedingten Anthropomorphie.



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Dann und damit beginnt das Zeitalter der vollendeten Sinnlosigkeit. In dieser Be-nennung gilt das »Sinnlose« bereits als Begriff des seinsgeschichtlichen Denkens, das die Meta-physik im Ganzen (auch ihr Umkehren und Ausbiegen zu den Umwertungen) hinter sich läßt. »Sinn« nennt nach »Sein und Zeit« den Entwurfsbereich, und zwar in eigent-licher Absicht (gemäß der einzigen Frage nach dem »Sinn des Seins«) die im Entwerfen sich öffnende und gründende Lichtung des Seins. Dieses Entwerfen aber ist jenes, das im geworfenen Entwurf als Wesendes der Wahrheit sich ereignet.

Das Sinnlose ist das Wahrheit- (Lichtung-)lose des Seins. Jede Möglichkeit eines solchen Entwurfes ist auf dem Grunde der Beseitigung des Wahrheitswesens innerhalb der Metaphysik versagt. Wo selbst die Frage nach dem Wesen der Wahrheit


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Martin Heidegger (GA 6 II) Nietzsche II