indem es alles vor sich als den Gerichtshof der Beständigung bringt? Dann wird die ἰδέα zum perceptum der perceptio; zu jenem, was das Vor-stellen des Menschen vor sich bringt und zwar als dasjenige, was das Vor-zustellende in seiner Vorgestelltheit ermöglicht. Jetzt schlägt das Wesen der ἰδέα von der Sichtsamkeit und Anwesenheit um in die Vorgestelltheit für und durch den Vorstellenden. Die Vorgestelltheit als die Seiendheit ermöglicht das Vorgestellte als das Seiende. Die Vorgestelltheit (das Sein) wird zur Bedingung der Möglichkeit des Vor- und Zugestellten und so Stehenden, d. h. des Gegenstandes. Das Sein (Idee) wird zur Bedingung, über die der Vor-stellende, das Subjekt, verfügt und verfügen muß, wenn ihm Gegenstände sollen entgegen-stehen können. Das Sein wird als System von notwendigen Bedingungen begriffen, mit denen das Subjekt, und zwar im Hinblick auf das Seiende als das Gegenständige, auf Grund seines Verhältnisses zum Seienden im vorhinein rechnen muß. Bedingungen, mit denen notwendig gerechnet werden muß - wie soll man sie nicht eines Tages »Werte«, »die« Werte nennen und als Werte verrechnen?

Der Wesensursprung des Wertgedankens aus dem ursprünglichen Wesen der Metaphysik, der Auslegung des Seins als ἰδέα und der ἰδέα als ἀγαθόν, ist jetzt deutlich geworden.

Wir sehen, daß in der Geschichte der Herkunft des Wertgedankens der Umschlag der ἰδέα zur perceptio entscheidend wird. Erst durch die Metaphysik der Subjektivität wird der zunächst noch verhüllte und zurückgehaltene Wesenszug der ἰδέα - das Ermöglichende und Bedingende zu sein - ins Freie und dann ins ungehemmte Spiel gesetzt. Das Innerste der Geschichte der neuzeitlichen Metaphysik besteht in dem Vorgang, durch den das Sein den unbestrittenen Wesenszug erhält, Bedingung der Möglichkeit des Seienden, d. h. neuzeitlich des Vor-gestellten, d. h. des Entgegenstehenden,


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Martin Heidegger (GA 6 II) Nietzsche II