herigen Geschichte des Nihilismus. Insofern aber diese Umwertung eigens aus dem Prinzip der Wertsetzung vollzogen ist, gibt sich dieser Nihilismus als das, was er in seinem Sinne zugleich nicht mehr ist: als der »zerstörerische« ist er »ironisch«. Nietzsche versteht seine Metaphysik als extremsten Nihilism us, so zwar, daß dieser zugleich kein Nihilismus mehr ist.

Wir sagten indes, Nietzsches Metaphysik sei eigentlicher Nihilismus. Darin liegt, daß Nietzsches Nihilismus nicht nur den Nihilismus nicht überwindet, sondern ihn auch nie überwinden kann. Denn gerade in dem, worin und wodurch Nietzsche den Nihilismus zu überwinden meint, in der Setzung neuer Werte aus dem Willen zur Macht, kündigt sich erst der eigentliche Nihilismus an: Daß es mit dem Sein selbst, das jetzt zum Wert geworden, nichts ist. Demgemäß erfährt Nietzsche die geschichtliche Bewegung des Nihilismus als eine Geschichte der Entwertung der bisherigen obersten Werte. Aus demselben Grunde stellt er die Überwindung als Umwertung vor und vollzieht diese nicht nur in einer neuen Wertsetzung, sondern so, daß er den Willen zur Macht als das Prinzip der neuen - und im Grunde aller - Wertsetzung erfährt. Das Wertdenken wird jetzt zum Prinzip erhoben. Das Sein selbst ist als Sein prinzipiell nicht zugelassen. Mit dem Sein ist es in dieser Metaphysik nach ihrem eigenen Prinzip nichts. Wie soll es hier je mit dem Sein selbst noch Denkwürdiges geben, nämlich das Sein als - Sein? Wie soll hier eine Überwindung des Nihilismus geschehen, ja auch nur sich regen können?

Nietzsches Metaphysik ist demnach keine Überwindung des Nihilismus. Sie ist die letzte Verstrickung in den Nihilismus. Durch das Wertdenken aus dem Willen zur Macht hält sie sich zwar daran, das Seiende als solches anzuerkennen, aber zugleich fesselt sie sich mit dem Strick der Deutung des


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Martin Heidegger (GA 6 II) Nietzsche II