Das Wesen des eigentlichen Nihilismus ist das Sein selber im Ausbleiben seiner Unverborgenheit, die als die seine Es selber ist und im Ausbleiben sein »ist« bestimmt.

Zwar könnte uns jetzt, wenigstens nach einigen Hinsichten vielleicht deutlich werden, daß jenes zunächst genannte Ungedachtbleiben des Seins als solchen im Ausbleiben des Seins selbst beruht, welches Ausbleiben das Sein selbst »ist«. Dennoch würden wir zuviel sagen, wollten wir im Hinblick darauf den Satz aufstellen: Das Ungedacht-Bleiben liegt am Sein selbst und nicht am Denken. Also gehört das Denken mit zum Ausbleiben des Seins? Die Bejahung dieser Frage kann, je nachdem wie sie gedacht wird, etwas Wesentliches treffen. Sie kann dies aber auch verfehlen. Insgleichen kann der Satz: Das Ungedachtbleiben liegt am Sein selbst, zuviel und doch wieder das einzig Wesentliche sagen.

Das Denken gehört mit zum Ausbleiben des Seins als solchen nicht in der Weise, daß es dieses Ausbleiben feststellt, so als sei irgendwo das Sein selbst als ein Gesondertes und ebenso das Denken, das, auf sich gestellt, sich entweder um das Sein in seiner Unverborgenheit als solcher kümmert oder nicht. Das Denken ist keineswegs dieses dem Sein gegenüber- und so fürsichstehende Tun, auch nicht in der Weise, daß es als die Vorstellungstätigkeit des Subjekts das Sein bereits als das im allgemeinsten Vorgestellte bei sich und in sich trüge.

Abgesehen davon, daß diese Kennzeichnung das einfache Erscheinen und eigene Meinen des Denkens als solchen verkennt, bei solcher Ansiedlung des Seins im Verfügungsbezirk des vorstellenden Subjekts wäre weder zu sehen noch zu verstehen, daß und wie das Sein als solches in seiner Unverborgenheit mit dieser sich dem Denken entzieht, und zwar während und insofern das Denken immer schon das Seiende als solches, d. h. das Sein vorstellt. Dagegen gehört das Denken zum Sein selbst, insofern das Denken aus seinem Wesen in


356


Martin Heidegger (GA 6 II) Nietzsche II