VORWORT
Das Buch ist, solange es ungelesen vorliegt, eine Zusammenstel-lung von Vorträgen und Aufsätzen. Für den Leser könnte es zu einer Sammlung werden, die sich um die Vereinzelung der Stük-ke nicht mehr zu kümmern braucht. Der Leser sähe sich auf ei-nen Weg gebracht, den ein Autor vorausgegangen ist, der im Glücksfall als auctor ein augere, ein Gedeihenlassen auslöst.
Im vorliegenden Falle gilt es, sich wie vordem zu mühen, daß dem von altersher zu-Denkenden, aber noch Ungedachten, durch unablässige Versuche ein Bereich bereitet werde, aus dessen Spielraum her das Ungedachte ein Denken beansprucht.3
Ein Autor hätte, wäre er dies, nichts auszudrücken und nichts mitzuteilen. Er dürfte nicht einmal anregen wollen, weil Ange-regte ihres Wissens schon sicher sind.
Ein Autor auf Denkwegen kann, wenn es hochkommt, nur weisen, ohne selbst ein Weiser im Sinne des σοφόσ zu sein.
Denkwege, für die Vergangenes zwar vergangen, Gewesendes jedoch im Kommen bleibt, warten, bis irgendwann Denkende sie gehen. Während das geläufige und im weitesten Sinne techni-sche Vorstellen immer noch vorwärts will und alle fortreißt, ge-ben weisende Wege bisweilen eine Aussicht frei auf ein einziges Ge-birg.
Todtnauberg, im August 1954
3 Ἀλήθεια