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Die Frage nach der Technik

So ist denn die moderne Technik als das bestellende Entbergen kein bloß menschliches Tun. Darum müssen wir auch jenes Herausfordern, das den Menschen stellt, das Wirkliche als Bestand zu bestellen, so nehmen, wie es sich zeigt. Jenes Herausfordern versammelt den Menschen in das Bestellen. Dieses Versammelnde konzentriert den Menschen darauf, das Wirkliche als Bestand zu bestellen.

Was die Berge ursprünglich zu Bergzügen entfaltet und sie in ihrem gefalteten Beisammen durchzieht, ist das Versammelnde, das wir Gebirg nennen.

Wir nennen jenes ursprünglich Versammelnde, daraus sich die Weisen entfalten, nach denen uns so und so zumute ist, das Gemüt.

Wir nennen jetzt jenen herausfordernden Anspruch, der den Menschen dahin versammelt, das Sichentbergende als Bestand zu bestellen — das Ge-stell.

Wir wagen es, dieses Wort in einem bisher völlig ungewohnten Sinne zu gebrauchen.g

Nach der gewöhnlichen Bedeutung meint das Wort »Gestell« ein Gerät, z. B. ein Büchergestell. Gestell heißt auch ein Knochengerippe. Und so schaurig wie dieses scheint die uns jetzt zugemutete Verwendung des Wortes »Gestell« zu sein, ganz zu schweigen von der Willkür, mit der auf solche Weise Worte der gewachsenen Sprache mißhandelt werden. Kann man das Absonderliche noch weiter treiben? Gewiß nicht. Allein, dieses Absonderliche ist alter Brauch des Denkens. Und zwar fügen sich ihm die Denker gerade dort, wo es das Höchste zu denken gilt. Wir Spätgeborenen


f das Ge-Stell

1. als Wesen des Willens zum Willen — »Wesen« im Sinne des durchgängig Währenden — der Grund-Zug — Durchzug des Grundes — durchgängiges Gründen

2. als verhaltener Anklang
Vergessenheit — Ge-»setz« des Seins

5. als Schleier des Ereignisses erstes Erblitzen äußerster verhülltester Brauch im Be-stellen

g 1954: vgl. Identität und Differenz [vorgesehen für GA Bd. 11]


Martin Heidegger (GA 7) Vorträge und Aufsätze

GA 7