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Logos (Heraklit, Fragment 50)

bemüht ist, das Gewitter zu vertreiben. Man veranstaltet mit allen nur möglichen Mitteln ein Wetterschießen, um vor dem Gewitter Ruhe zu haben. Doch diese Ruhe ist keine Ruhe. Sie ist nur eine Betäubung, zuerst die Betäubung der Angst vor dem Denken.

Um das Denken freilich ist es eine eigene Sache. Das Wort der Denker hat keine Autorität. Das Wort der Denker kennt keine Autoren im Sinne der Schriftsteller. Das Wort des Denkens ist bildarm und ohne Reiz. Das Wort des Denkens ruht in der Ernüchterung zu dem, was es sagt. Gleichwohl verändert das Denken die Welt. Es verändert sie in die jedesmal dunklere Brunnentiefe eines Rätsels, die als dunklere das Versprechen auf eine höhere Helle ist.

Das Rätsel ist uns seit langem zugesagt im Wort »Sein«. Darum bleibt »Sein« nur das vorläufige Wort. Sehen wir zu, daß unser Denken ihm nicht blindlings nur nachläuft. Bedenken wir erst, daß »Sein« anfänglich »Anwesen« heißt und »Anwesen«: her-vor-währen in die Unverborgenheit.

GA 7