Denken unseres Zeitalters auf seinen Weg weist? Im geschickhaften Beginn des abendländischen Denkens haben die Denker freilich nicht in der jetzt versuchten Weise nach dem Geheiß gefragt. Das Auszeichnende des Beginns liegt vielmehr darin, daß die Denker den Anspruch des Geheißes vernahmen, indem sie ihm denkend entsprachen. Sollte ihnen aber nicht bei solchem Geschick das Geheiß auch eigens aufgegangen sein, das ihr Denken auf den Weg bringt? Das ist schon deshalb zu vermuten, weil ein Denken nur dadurch auf seinen Weg gewiesen wird, daß sich ihm Jenes, das zu denken gibt, als das zu-Denkende zuspricht. In solchem Zuspruch aber kommt das Heißende als solches zum Vorschein, obzwar nicht zum vollen Scheinen und auch nicht unter dem gleichen Namen. Doch bevor wir dem Geheiß nachfragen, unter dem das gesamte abendländische und europäisch-neuzeitliche Denken steht, versuchen wir auf einen frühen Spruch zu hören, der uns bezeugt, inwiefern das frühe Denken überhaupt auf ein Geheiß anspricht, ohne es doch als ein solches zu benennen und zu bedenken. Vielleicht genügt schon die Besinnung auf dieses eine Zeugnis, um die Frage nach dem beginnlichen Geheiß in der gemäßen, nämlich in einer verhaltenen Weise zu beantworten.
Die Lehre vom Denken heißt Logik, weil das Denken sich im λέγειν des λόγος entfaltet. Wir vermögen es kaum auszudenken, daß dies einmal nicht war, so daß ein Geheiß »nötig« wurde, um das Denken auf den Weg des λόγος in das λέγειν zu bringen. Ein Fragment des Parmenides, das als VI. gezählt wird, beginnt mit folgenden Worten: χρὴ τὸ λέγειν τε νοεῖν τ' ἐόν ἔμμεναι. In der gewöhnlichen Ubersetzung lautet der Spruch: »Nötig ist zu sagen und zu denken, daß das Seiende ist.«