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Anmerkungen zu Karl Jaspers

für die Geisteswissenschaften, sofern es das »natürliche« psychologische Verstehen bereichert, aufgeschlossener und beweglicher macht, fühlsamer für Nuancen, Dimensionen und Schichtunterschiede seelischen Seins.

Die konkrete Tendenz aber als Bemühung um das Ganze der Psychologie, um die prinzipielle Horizont- und Regiongewinnung für sie, ist schon als »philosophische« anzusprechen. Die Weltanschauungspsychologie soll zwar keine positive Weltanschauung entwickeln und aufdrängen, wohl aber durch die verstehend ordnende Betrachtung der seelischen Positionen, Prozesse und Stufen »Klärungen und Möglichkeiten als Mittel zur (weltanschaulichen) Selbstbesinnung« (Vorwort) beibringen. Damit erhält die vorgenannte Aufgabenrichtung (Gewinnung des Ganzen der Psychologie) erst ihre letzte Zielgebung. Die Weise der Durchführung der ersten Aufgabengruppe ist zugleich der Weg zur Erfüllung der zweiten eigentlichen und philosophischen. Und hinwiederum gibt die Tendenz auf das Ziel eines bestimmt charakterisierten Philosophierens der Bemühung um das Problem der Psychologie eine grundsätzliche Führung.

Die Kritik soll das Prinzipielle treffen; sie geht also nicht auf bestimmte inhaltliche Besonderheiten, einzelne Stücke der Ordnungsschemata, sie etwa modifizierend und durch andere ersetzend, sie hat nicht die Absicht, Inhaltliches ergänzend nachzutragen, unbeachtete »Typen« einzufügen. Das Wie einer solchen philosophischen Kritik gilt es zu bestimmen hinsichtlich ihrer Grundhaltung und bezüglich der von ihr intendierten Problematik. Mit einer solchen Bestimmung begrenzt sich zugleich die Reichweite ihres Anspruchs.

Die Kritik gibt in ihrer Grundhaltung die eigentliche Tendenz der Jaspersschen Arbeit frei; sie will gerade mit dieser Freigabe die durchherrschende Zugrichtung der Problematik und deren Grundmotive zu schärferer Abhebung bringen und ausmachen, in welcher Weise der Ansatz der Aufgabe, die Wahl und Verwendungsart der methodischen Mittel in der Durchführung

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