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Anmerkungen zu Karl Jaspers

verstanden und vollzogen wird, dadurch, in einen ihm selbst fremden Auffassungssinn endgültig abgedrängt wird, so zwar, daß aller Aufwand an »Methoden« und deren Variationsmöglichkeiten ständig an dem eigentlich intendierten Gegenstand vorbeierkennen läßt.

Der Verfolg der oben als in der Arbeit Jaspers' liegend angezeigten Vorgriffsproblematik möchte erweisen, daß der Aufgabenansatz nicht nur insofern einer radikaleren Methodenbesinnung bedürftig ist, als die eigene Tendenz zu einer echten Auswirkung soll gelangen können, sondern und vor allem deshalb, weil das in den Vorgriff genommene Gegenständliche ein solches ist, das gerade nur kraft einer ureigenen, ihm nicht von außen her aufgesetzten, sondern es selbst mitausmachenden »Methode« das ist, was es ist. Fehlt das »strenge« Bewußtsein solcher Explikationsproblematik, dann kann zwar das in Frage stehende Gegenständliche immer noch irgendwie echt intendiert sein, so allerdings, daß sich ihm ein weiter nicht expliziertes Anschauungs- und Begriffssurrogat vorgeschoben hat, das dann für seine erkenntnismäßige Bewältigung immerhin noch den Anspruch stellt (motiviert aus den eigentlichen aber nicht zugreifenden Intentionen), von verschiedenen Seiten her angefaßt zu werden. Schließlich aber drängt sich das Surrogat so vor, daß es sich selbst als das echte Phänomen ausgibt, das eigentliche also für die echte Erfahrungsmöglichkeit verschwindet und lediglich noch dem Wortlaut nach richtig bleibt. »Wir haben keine beherrschende Methode, sondern bald diese, bald jene« (11), und das innerhalb der Grundhaltung »bloßer Betrachtung«.

Das in Frage stehende eigentlich Gegenständliche sei in formaler Anzeige fixiert als Existenz. In solcher formal angezeigten Bedeutung soll der Begriff hinweisen auf das Phänomen des »ich bin«, den Seinssinn, der in »ich bin« liegt als Ansatz eines prinzipiellen Phänomenzusammenhangs und der ihm zugehörigen Problematik. Mit der formalen Anzeige (worin ein methodischer, hier nicht näher zu explizierender Grundsinn aller philosophischen

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