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Anmerkungen zu Karl Jaspers

»Das weltanschaulich gefaßte Leben spielt in der SubjektObjekt-Spaltung« (248). »In den Erlebnissen ist das Urphänomen eingebettet, daß das Subjekt Objekten gegenübersteht«. »Wo kein Objekt mehr gegenübersteht, also jeder Inhalt fehlt, darum auch unsagbar ist und doch erlebt wird, sprechen wir im allerweitesten Sinne vom Mystischen« (19). Sofern das Leben des Geistes in der Unruhe, Bewegung, im Aufnehmen und Wiederverlassen einer Position Hegt, »ist es als Unendliches zugleich über die Subjekt-Objekt-Spaltung hinaus«; der Geist »hat doch zum Ausgangspunkt, wie zum Ende das Mystische« (305). Das Mystische ist nach aller Bewegung das einzige, in dem Absolutes nicht als Gegenstand ergriffen wird. »Von diesen Grenzen, die die ganzen Sphären der Subjekt-Objekt-Spaltung als das Mystische umschließen (v. Ref. hervorgeh.), in das der Geist sich nicht flüchtet, aber durch das hindurch er in seiner Bewegung immer wieder seine Kreise findet, fällt ein unaussprechliches Licht, ein unformulierbarer und immer zur Form drängender Sinn auf alles Einzelne (v. Ref. hervorgeh.) innerhalb der Spaltung« (505), Die Geistestypen fassen Bewegungen, die nicht nur »zwischen Subjekt und Objekt sind«, »die zugleich über beide hinaus der Spaltung zugrunde liegend sind« (307 Anm., vgl. 388 ff.); »während die meisten seelischen Phänomene, die wir beschreiben können, in einer Subjekt-Objekt-Spaltung als Eigenschaften der Subjektseite oder der Gegenstandsseite beschrieben werden, gibt es außer diesen solche seelischen Erlebnisse, in denen die Subjekt-Objekt-Spaltung noch nicht da oder aufgehoben ist« (592). Das in aufgehobener Subjekt-Objekt-Spaltung Erlebte ist nicht gegenständlich abgesetzt und begrenzt, sondern hat eine eigentümliche Unendlichkeit, aus der richtunggebende Kräfte für das Leben (Handeln, Denken und Kunstschaffen) entspringen können (393). Die Subjekt-Objekt-Spaltung selbst »ist das endgültige Wesen des Verstandes« (426). »Der Menschlebt wesentlich in der Form der Subjekt-Objekt-Spaltung und hier nie in einem Ruhezustand, sondern immer in einem Streben auf irgendwelche Ziele, Zwecke, Werte, Güter hin« (202).


Martin Heidegger (GA 9) Wegmarken

GA 9