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Phänomenologie und Theologie

näher und gibt so den Boden für die Kenn Zeichnung ihres möglichen Verhältnisses zur Philosophie. So erhält unsere Betrachtung eine dreifache Gliederung:


Gliederung:

a) die Positivität der Theologie

b) die Wissenschaftlichkeit der Theologie

c) das mögliche Verhältnis der Theologie als dieser positiven Wissenschaft zur Philosophie.



a) Die Positivität der Theologie


Die positive Wissenschaft ist die begründende Enthüllung eines vorliegenden und schon irgendwie enthüllten Seienden. Es ergibt sich die Frage: was ist für die Theologie vorliegend? Man könnte sagen: das Vorliegende für die christliche Theologie ist das Christentum als ein geschichtliches Vorkommnis, bezeugt durch die Religions- und Geistesgeschichte, ebenso in der Gegenwart sichtbar als allgemeine weltgeschichtliche Erscheinung in seinen Einrichtungen, Kulten, Verbänden und Gruppen. Christentinn — das vorliegende Positum, also die Theologie Wissenschaft von diesem. Offenbar wäre das eine Fehlbestimmung der Theologie, denn die Theologie selbst gehört mit zum Christentum. Die Theologie selbst ist etwas, was sich weltgeschichtlich, allgemein historisch bekundet im inneren Zusammenhang mit dem Ganzen des Christentums selbst. Offenbar kann also die Theologie nicht Wissenschaft vom Christentum sein als einem weltgeschichtlichen Vorkommnis, sondern sie ist eine Wissenschaft, die selbst zu dieser Geschichte des Christentums gehört, von ihr getragen wird und sie selbst wieder bestimmt. Also Theologie eine Wissenschaft, die selbst in die Geschichte des Christentums gehört, etwa so, wie jede historische Disziplin selbst eine geschichtliche Erscheinung ist, so zwar, daß sie jeweils das sich seinerseits geschichtlich wandelnde Selbstbewußtsein der


Martin Heidegger (GA 9) Wegmarken

GA 9