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Alis der letzten Marburger Vorlesung

bleibt auch bei Leibniz; wie bei seinen Vorgängern und Nachfolgern dieser Rückgang auf das Ich zweideutig, weil das Ich nicht in seiner Wesensstruktur und spezifischen Seinsart gefaßt ist.

Die Leitfadenfunktion des ego ist aber in mehrfacher Hinsicht vieldeutig. Bezüglich des Seinsproblems ist das Subjekt einmal das exemplarische Seiende. Es selbst gibt als Seiendes mit seinem Sein die Idee von Sein überhaupt her. Zum anderen aber ist das Subjekt als das Sein verstehende; es als bestimmt geartetes Seiendes hat in seinem Sein Seinsverständnis, wobei Sein nicht nur besagt: existierendes Dasein.

Trotz der Heraushebung echter ontischer Phänomene bleibt der Subjektbegriff selbst ontologisch ungeklärt.

Deshalb muß gerade bei Leibniz der Eindruck entstehen, als sei die monadologische Interpretation des Seienden einfach ein Anthropomorphismus, eine Allbeseelung nach Analogie mit dem Ich. Doch das wäre eine äußerliche und willkürliche Auffassung. Leibniz selbst sucht diese analogisierende Betrachtung metaphysisch zu begründen: ... cum rerum natura sit uniformis nec ab aliis substantiis simplicibus ex quibus totum consistit Universum, nostra infinite differre possit. »Denn da die Natur der Dinge gleichförmig ist, so kann unsre eigene Wesenheit von den andren einfachen Substanzen, aus denen sich das ganze Universum zusammensetzt, nicht unendlich weit verschieden sein.« (Brief an de Voider am 30. 6. 1704. Gerh. II, 270; Buch. II, 347). Der von Leibniz zur Begründung angeführte allgemeine ontologische Grundsatz wäre freilich selbst noch zu begründen.

Statt sich mit der groben Feststellung eines Anthropomorphismus zu begnügen, ist vielmehr zu fragen: Welche Strukturen des eigenen Daseins sind es denn, die für die Interpretation des Seins der Substanz relevant werden sollen? Wie modifizieren sich diese Strukturen, um die Eignung zu bekommen, jedes Seiende, alle Stufen des Seins monadologisch verständlich zu machen?


Martin Heidegger (GA 9) Wegmarken

GA 9