VOM WESEN DES GRUNDESa



Vorwort zur dritten Auflage (1949)


Die Abhandlung »Vom Wesen des Grundes« entstand im Jahre 1928 gleichzeitig mit der Vorlesung »Was ist Metaphysik?«. Diese bedenkt das Nichts, jene nennt die ontologische Differenz.

Das Nichts ist das Nicht des Seienden und so das vom Seienden her erfahrene Sein. Die ontologische Differenz ist das Nicht zwischen Seiendem und Sein. Aber sowenig Sein als das Nicht zum Seienden ein Nichts ist im Sinne des nihil negativum, sowenig ist die Differenz als das Nicht zwischen Seiendem und Sein nur das Gebilde einer Distinktion des Verstandes (ens rationis).

Jenes nichtende Nicht des Nichts und dieses nichtende Nicht der Differenz sind zwar nicht einerlei, aber das Selbe im Sinne dessen, was im Wesenden des Seins des Seiendenb zusammengehört. Dieses Selbe ist das Denkwürdige, das beide mit Absicht getrennt gehaltenen Schriften einer Bestimmung näher zu bringen versuchen, ohne dieser gewachsen zu sein.

Wie wäre es, wenn die Besinnlichen begännen, auf diese seit zwei Jahrzehnten wartende selbe Sache endlich denkend einzugehen?


a Wegmarken, 1. Auflage 1967: Vgl. die Selbstkritik dieser Abhandlung in »Der Satz vom Grund«, 1957, S. 82 ff.

b 3. Auflage 1949: in diesem Genitiv.

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