170
Vom Wesen des Grundes

(Wahrheit) geforderte Anführung des Seienden, das sich dann z, B. als »Ursache« oder als »Beweggrund« (Motiv) für einen schon offenbaren Zusammenhang von Seiendem bekundet. Weil die Transzendenz des Daseins als entwerfendbefindliche, Semsverständnis ausbildend, begründet und weil dieses Gründen in der Einheit der Transzendenz mit den beiden erstgenannten gleichursprünglich ist, d. h. der endlichen Freiheit des Daseins entspringt, deshalb kann das Dasein in seinen faktischen Ausweisungen und Rechtfertigungen sich der »Gründe« entschlagen, den Anspruch auf sie niederhalten, sie verkehren und verdecken. Diesem Ursprung der Begründung und damit auch der Ausweisung zufolge bleibt es im Dasein jeweils der Freiheit überlassen, wie weit die Ausweitung getrieben wird und ob sie sich gar zur eigentlichen Begründung, d. h. Enthüllung ihrer transzendentalen Möglichkeit versteht. Wenngleich in der Transzendenz immer Sein enthüllt ist, es bedarf hierzu doch nicht der ontologisch-begrifflichen Erfassung. So kann denn überhaupt die Transzendenz als solche verborgen bleiben und nur in einer »indirekten« Auslegung bekannt sein. Enthüllt ist sie aber auch dann, weil sie gerade Seiendes in der Grundverfassung des In-der-Welt-seins aufgebrochen sein läßt, worin sich die Selbstenthüllung der Transzendenz bekundet. Eigens aber enthüllt sich die Transzendenz als Ursprung des Gründens, wenn dieses in seiner Dreifachheit zum Entspringen gebracht wird. Demnach besagt Grund: Möglichkeit, Boden, Ausweis. Das dreifach gestreute Gründen der Transzendenz erwirkt ursprünglich einigend erst das Ganze, in dem je ein Dasein soll existieren können. Freiheit ist in dieser dreifachen Weise Freiheit zum Grunde. Das Geschehen der Transzendenz als Gründen ist das Sichbilden des Einbruchspielraums für das jeweilige faktische Sichhalten des faktischen Daseins inmitten des Seienden im Ganzen.

Beschränken wir demnach die überlieferte Vierzahl der Gründe auf drei oder decken sich die drei Weisen des Gründens mit den drei Abwandlungen des πρώτον δ&εν bei Aristoteles? So

GA 9