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Vom Wesen der Wahrheit

weisende Sagen ist richtig (wahr). Das so Gesagte ist das Richtige (Wahre).

Die Aussage hat ihre Richtigkeit zu Lehen von der Offenständigkeita des Verhaltens; denn nur durch diese kann überhaupt Offenbares zum Richtmaß werden für die vor-stellende Angleichung. Das offenständige Verhalten selbst muß dieses Maß sich anweisen lassen. Das bedeutet: es muß eine Vorgabe des Richtmaßes für alles Vorstellen übernehmen, Dies gehört zur Offenständigkeit des Verhalteais. Wenn aber nur durch diese Offenständigkeit des Verhaltens die Richtigkeit (Wahrheit) der Aussage möglich wird, dann muß das, was die Richtigkeit erst ermöglicht, mit ursprünglicherem Recht als das Wesen der Wahrheit gelten.

Damit fällt die herkömmliche und ausschließliche Zuweisung der Wahrheit an die Aussage als ihren einzigen Wesensort dahin. Wahrheit ist nicht ursprünglich im Satz beheimatet. Zugleich aber erhebt sich die Frage nach dem Grunde der inneren Möglichkeit des offenständigen und ein Richtmaß vorgebenden Verhaltens, welche Möglichkeit allein der Satzrichtigkeit das Ansehen leiht, überhaupt das Wesen der Wahrheit zu erfüllen.


3.


Der Grund der Ermögttchung einer Richtigkeit


Woher hat das vorstellende Aussagen die Weisung, sich nach dem Gegenstande zu richten und gemäß der Richtigkeit zu stimmen? Warum bestimmt dieses Stimmen mit das Wesen der Wahrheit? Wie allein kann dergleichen wie die Leistung der Vorgabe einer Richte und die Einweisung in ein Stimmen geschehen? Nur so, daß sich dieses Vorgeben schon freigegeben hat in ein Offenes für ein aus diesem waltendes Offenbares, das jegliches Vorstellen bindet. Das Sich-freigeben für eine bindende


a 3. Auflage 1954: und diese in der Lichtung.


Martin Heidegger (GA 9) Wegmarken

GA 9