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Vom Wesen und Begriff der φύαις

gene — φύσις. Nur was sich seinem Wesen nach entbirgt und entbergen muß, kann lieben, sich zu verbergen. Nur was Entbergung ist, kann Verbergung sein. Und daher gilt es nicht, das κρύπτεσθαί der φύσις zu überwinden und ihr zu entreißen, sondern das weit Schwerere ist aufgegeben, das κρύπχεσθαι, als der φύσις gehörend, ihr in aller Wesensreinheit zu lassen.

Sein ist das sich verbergende Entbergen — φύσις im anfänglichen Sinne. Das Sichentbergen ist Hervorkommen in die Unverborgenheit, und d.h. die Unverborgenheit als eine solche erst ins Wesen bergen: Unverborgenheit heißt ἀ-λήθεια — die Wahrheit, wie wir übersetzen, ist anfänglich, und d. h. wesenhaft nicht ein Charakter des menschlichen Erkennens und Aussagens, Wahrheit ist auch erst recht kein bloßer Wert oder eine »Idee«, nach deren Verwirklichung der Mensch — man weiß nicht recht weshalb — streben soll, sondern Wahrheit gehört als Sichentbergen zum Sein selbst: φύσις ist ἀλήθεια, Entbergung und deshalb κρύπτεθαι φιλει.

/ Weil φύσις im Sinne der »Physik« eine Art der οὐσία und weil οὐσία im Wesen selbst entstammt der anfänglich entworfenen φύσις, deshalb gehört zum Sein ἀλήθεια, und deshalb enthüllt sich als einen Charakter der οὐσία die Anwesung ins Offene der ἰδέα (Platon) und des εἶδος κατὰ τὸν λόγον (Aristoteles), deshalb wird für diesen das Wesen der κίνησις als ἐντελέχεια und ἐνέργεια sichtbar /.

Martin Heidegger (GA 9) Wegmarken

Pathmark p. 230