Not ist, daß die Wahrheit des Seins gewahrt wird, was immer auch dem Menschen und allem Seienden zufallen möge. Das Opfer ist die allem Zwang enthobene, weil aus dem Abgrund der Freiheit erstehende Verschwendung des Menschenwesens in die Wahrung der Wahrheit des Seins für das Seiende. Im Opfer ereignet sich der verborgene Dank, der einzig die Huld würdigt, als welche das Sein sich dem Wesen des Menschen im Denken übereignet hat, damit dieser in dem Bezug zum Sein die Wächterschaft des Seins übernehme. Das anfängliche Denken4 ist der Widerhall der Gunst des Seins, in der sich das Einzige lichtet und sich ereignena läßt5: daß Seiendes ist. Dieser Widerhall ist die menschliche Antwort auf das Wort der lautlosen Stimme des Seins. Die Antwort des Denkens6 ist der Ursprung des menschlichen Wortes, welches Wort erst die Sprache als die Verlautung des Wortes in die Wörter entstehen läßt. Wäre nicht zuzeiten ein verborgenes Denken7 im Wesensgrunde des geschichtlichen Menschen, dann vermöchte er nie das Danken8, gesetzt daß in. allem Bedenken und in jedem Bedanken9 doch ein Denken sein muß, das anfänglich die Wahrheit des [106] Seins denkt. Wie anders aber fände je ein Menschentum in das ursprüngliche Danken, es sei denn so, daß die Gunst des Seins durch den offenen Bezug zu ihr selbst dem Menschen den Adel der Armut gewährt, in der die Freiheit des Opfers den Schatz ihres Wesens verbirgt? Das Opfer ist der Abschied vom Seienden auf dem Gang zur Wahrung der Gunst des Seins. Das Opfer kann durch das Werken und Leisten im Seienden zwar vorbereitet und bedient, aber durch solches nie erfüllt werden. Sein Vollzug entstammt der Inständigkeit, aus der jeder geschichtliche
4 4. Auflage (1943): »Das ursprüngliche Danken...«.
5 4. Auflage (1943) : »... in der es sich liebtet und das Einzige sich ereignen läßt:«.
6 4. Auflage (1943) : »Die sprachlose Antwort des Dankens im Opfer ...«.
7 4. Auflage (1943) : »Danken«.
8 4. Auflage (1943): »Denken«.
9 4. Auflage (1943) : »Andenken«.
a 5. Auflage 1949: Ereignis.