Allein auch dies gilt: die Sache des Denkens ist nicht dadurch erreicht, daß nun ein Gerede über » die Wahrheit des Seins« und über die »Seinsgeschichte« auf die Bahn gebracht wird. Alles liegt einzig daran, daß die Wahrheit des Seins zur Sprache komme und daß das Denken in diese Sprache gelange. Vielleicht verlangt dann die Sprache weit weniger das überstürzte Aussprechen als vielmehr das rechte Schweigen. Doch wer von uns Heutigen möchte sich einbilden, seine Versuche zu denken seien auf dem Pfad des Schweigens heimisch? Wenn es weit geht, könnte unser Denken vielleicht auf die Wahrheit des Seins hinweisen, und zwar auf sie als das zu Denkende. Sie wäre damit eher dem bloßen Ahnen und Meinen entzogen und dem rar gewordenen Hand-werk der Schrift zugewiesen. Die Sachen, an denen etwas ist, kommen, auch, wenn sie nicht für die Ewigkeit bestimmt sind, selbst in spätester Zeit noch rechtzeitig.
Ob der Bereich der Wahrheit des Seins eine Sackgasse oder ob er das Freie ist, worin die Freiheit ihr Wesen spart, möge jeder beurteilen, nachdem er selbst versucht hat, den gewiesenen Weg zu gehen oder, was noch besser ist, einen besseren, das heißt einen der Frage gemäßen Weg zu bahnen. Auf der vorletzten Seite von »S. u. Z.« (S. 437) stehen die Sätze: »der Streit bezüglich der Interpretation des Seins (das heißt also nicht des Seienden, auch nicht des Seins des Menschen) kann nicht geschlichtet [175] werden, weil er noch nicht einmal entfacht ist. Und am Ende läßt er sich nicht »vom Zaun brechen«, sondern das Entfachen des Streites bedarf schon einer Zurüstung. Hierzu allein ist die vorliegende Untersuchung unterwegs.« Diese Sätze gelten heute noch nach zwei Jahrzehnten. Bleiben wir auch in den kommenden Tagen auf dem Weg als Wanderer in die Nachbarschaft des Seins. Die Frage, die Sie stellen, hilft, den Weg zu verdeutlichen.
Sie fragen: Comment redonner un sens au mot »Humanisme«? »Auf welche Weise läßt sich dem Wort Humanismus ein Sinn zurückgeben?« Ihre Frage setzt nicht nur voraus, daß Sie das Wort »Humanismus« festhalten wollen, sondern sie ent-