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Einleitung zu: »Was ist Metaphysik?«

erfahren am veränderlichen Ablauf des Seienden. Zeit ist offenbar noch ganz anderen Wesensa, das durch den Zeitbegriff der Metaphysik nicht nur noch nicht gedacht, sondern niemals zu denken ist. So wird Zeit der erst zu bedenkende Vorname für die allererst zu erfahrende Wahrheit des Seins.

Wie in den ersten metaphysischen Namen des Seins ein verborgenes Wesen von Zeit anspricht, so in seinem letzten Namen: in der »ewigen Wiederkunft des Gleichen«. Die Geschichte des Seins ist in der Epoche der Metaphysikb von einem ungedachten Wesen der Zeit durchwaltet. Dieser Zeit ist der Raum nicht neben-, aber auch nicht nur eingeordnetc.

Ein Versuch, vom Vorstellen des Seienden als solchen in das Denken an die Wahrheit des Seins überzugehen, muß, von jenem Vorstellen ausgehend, in gewisser Weise auch die Wahrheit des Seins noch vorstellen, so daß dieses Vorstellen notwendig anderer Art und schließlich als Vorstellen dem zu Denkenden ungemäß bleibt. Dieses aus der Metaphysik herkommende, auf den Bezug der Wahrheit des Seins zum Menschenwesen eingehende Verhältnis wird als »Verstehen« gefaßt. Aber das Verstehen ist hier zugleich aus der Unverborgenheit des Seins her gedacht. Es ist der ekstatische, d. h. im Bereich des Offenen inne-stehende geworfene Entwurf d. Der Bereich, der sich im Entwerfen als offener zustellte, -damit in ihm etwas (hier das Sein) sich als etwas (hier das Sein als es selbst in seiner Unverborgenheit) erweise, heißt der Sinnf (vgl. S. u. Z. S.151). »Sinn von Sein« und »Wahrheit des Seins« sagen das Selbe.

Gesetzt, die Zeit gehöre in einer noch verborgenen Weise zur Wahrheit des Seins, dann muß jedes entwerfende Offenhalten


a 5. Auflage 1949: Zeit ist vierdimensional: Die erste, alles versammelnde Dimension ist die Nähe.

b 5. Auflage 1949 : Diese Epoche ist die ganze Geschichte des Seins.

c 5. Auflage 1949: Zeit-Raum.

d 5. Auflage 1949: Geworfenheit und Ereignis. Werfen, Zu-werfen, Schicken; Ent-Wurf : dem Wurf entsprechen.

e 5. Auflage 1949: sich zu-bringt.

f 5. Auflage 1949: Sinn — Wegrichtung des Sach-Verhalts.


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