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Vorlesung

Weshalb ich dieses Wort anführe, werden Sie aus der Erinnerung an früher Gesagtes merken. Das Hören ist ein Blicken. Dies »mit einem Blick« das Ganze »übersehen« und das »Überhören, so alles zusammen« sind eines und dasselbe.

Die verborgene Einheit dieses Er-blickens und Er-hörens bestimmt das Wesen des Denkens, das uns Menschen, die wir die denkenden Wesen sind, zugetraut ist.

Wir würden die angeführte Briefstelle Mozarts zu äußerlich und schief fassen, wollten wir sie nur, psychologisch deutend, als einen Beleg zur Beschreibung des künstlerischen Schaffens nehmen. Die Stelle sagt uns, daß Mozart der Hörendsten einer unter den Hörenden gewesen, d. h. west und also noch ist.

Was Wesen und Herz Mozarts ist, kann uns der schon einmal gehörte Angelus Silesius auf seine Weise durch einen uralten Gedanken andeuten. Der Spruch 366 aus dem »Cherubinischen Wandersmann« (V. Buch) sagt:


»Ein Herze, das zu Grund Gott still ist, wie er will,

Wird gern von ihm berührt: es ist sein Lautenspiel.«


Der Spruch trägt die Überschrift: »Das Lautenspiel Gottes«. Das ist Mozart.

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Wir können den Satz vom Grund auf eine zweifache Weise hören: einmal als obersten Grundsatz über das Seiende, zum anderen als Satz vorn Sein. In dem zweiten Fall sind wir dahin gewiesen, den Grund als Sein und Sein als Grund zu denken. In solchem Falle beginnen wir mit dem Versuch: Sein als Sein zu denken. Dies sagt: Sein nicht mehr durch etwas Seiendes erklären. Wie weit solches Beginnen und an welche Grenze es führt, kann nur ein Versuch zeigen, das Sein als Sein zu sagen. Der Weg in ein solches Denken ist nun aber nichts anderes als das Hören des Satzes vom Grund als eines Satzes vom Sein. Auf den Weg solchen Hörens gelangen wir allerdings nur durch einen