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Zehnte Stunde

Weise des Anwesens durch das Zureichen des Grundes des Gegenstehenden, durch die Gegenständigkeit kantisch gedacht: durch die Grundsätze des Verstandes als Prinzipien der Vernunft bestimmt. Weil somit das Objekt keine bloße Vorstellung des Subjektes ist, weil vielmehr im Objekt dem vorstellenden Subjekt etwas entgegengeworfen und zugebracht wird, was zugleich in sich steht, hat auch die Übersetzung von obiectum durch »Gegenstand« ihr eigenes Recht. Gleichwohl dürfen wir diejenige Unterscheidung nicht preisgeben, die jetzt ans Licht kommt. Man könnte im Rückblick auf das soeben Vermerkte sich darauf versteifen, daß auch schon für die Griechen das Seiende sich im Charakter des Gegenstandes bekundete. Dies zu meinen, wäre irrig. Für die Griechen entbirgt sich das Anwesende zwar im Charakter des Gegenüber, aber niemals in dem des Gegenstandes, dies Wort jetzt in dem streng neuzeitlich begriffenen Sinne von Objekt genommen. Gegenüber und Gegenstand sind nicht das Gleiche. Im Gegenstand bestimmt sich das Gegen aus dem vorstellenden Entgegenwurf durch das Subjekt. Im Gegenüber enthüllt sich das Gegen in dem, was über den vernehmenden, blickend-hörenden Menschen kommt, was den Menschen überkommt, ihn, der sich niemals als Subjekt für Objekte begriffen hat. Demgemäß ist das Anwesende nicht das, was ein Subjekt sich als Objekt zuwirft, sondern was auf das Vernehmen zukommt und was das menschliche Blicken und Hören als über es Gekommenes hin- und dar-stellt. Das griechische Stand-bild ist der Anblick eines Stehenden, dessen Stand nichts mit einem Gegenstand im Sinne des Objektes zu tun hat. Das griechische άντικείμενον, das Gegenüber, genauer das im Gegenüber Vor-liegende ist etwas ganz anderes als der Gegenstand im Sinne des Objektes. Die Griechen erfuhren im hereinblickenden Anwesen der Götter das unheimlichste und bezauberndste Gegenüber: τὸ δεινόν. Sie kannten aber nicht die Gegenstände im Sinne von Objekten. Das Gegen und Be-gegnen hat hier einen anderen Sinn.

Wenn man also schon, wie das jetzt häufiger geschieht, dem


Martin Heidegger (GA 10) Der Satz vom Grund