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Der Satz vom Grund.

Seitdem entfaltet der im Grundsatz waltende Anspruch eine vormals nicht geahnte Herrschaft. Diese vollbringt nichts Geringeres als die innerste, zugleich aber verborgenste Prägung des Zeitalters der abendländischen Geschichte, das wir die »Neuzeit« nennen. Die Herrschaft des gewaltigen Grundsatzes wird in der Geschichte der Menschheit um so gewaltiger, je durchgängiger, je selbstverständlicher und demzufolge je unauffälliger der Satz vom Grund alles Vorstellen und Verhalten bestimmt. So steht es heute.

Darum müssen wir, die Heutigen, fragen, ob wir und wie wir den Anspruch, der aus dem großen Grundsatz alles Vorstellens spricht, hören. Spüren wir denn die Gewalt dieses Anspruches? Ja. Der neuzeitliche Mensch hört allerdings diesen Anspruch. Er hört ihn auf eine seltsam entschiedene Weise, nämlich so, daß er der Gewalt des Grundsatzes immer ausschließlicher, immer schneller hörig wird. Mehr noch: Der heutige Mensch läuft Gefahr, die Größe alles Großen nur noch am Ausmaß der Herrschaft des principium rationis zu messen. Wir wissen heute, ohne es schon recht zu verstehen, daß die moderne Technik unaufhaltsam dahin drängt, ihre Einrichtungen und Erzeugnisse in die allumfassende, größtmögliche Perfektion zu treiben. Diese Perfektion besteht in der Vollständigkeit der berechenbaren Sicherstellung der Gegenstände, des Rechnens mit ihnen und der Sicherung der Berechenbarkeit der Rechnungsmöglichkeiten.

Die Perfektion der Technik ist nur das Echo des Anspruches auf die perfectio, d. h. die Vollständigkeit der Begründung. Dieser Anspruch spricht aus dem principium reddendae rationis sufficientis, dem Grundsatz des zuzustellenden zureichenden Grundes. Die jetzt vollzogenen Denkschritte seien als Ubergang zum folgenden kurz wiederholt:

Die moderne Technik treibt in die größtmögliche Perfektion. Die Perfektion beruht auf der durchgängigen Berechenbarkeit der Gegenstände. Die Berechenbarkeit der Gegenstände setzt die unbeschränkte Geltung des principium rationis voraus. So