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Vorläufiges I

Soll man sich am Großbetrieb des Verfalls beteiligen? An dem widersinnigsten aller Projekte, das man vorträgt unter dem Titel: »Die Planung der Freiheit«.26


Es ist an der Zeit, die Konsequenzen zu ziehen.


»Nachlaß« in Bezug auf Nietzsches Denken heißt solches, wofür es noch zu früh ist, vorgelassen zu werden in das denkende Gespräch.


Man fragt jetzt: »Werden wir richtig informiert?« an frägt so, ohne über die »Information« nachzudenken. Sie ist nämlich immer irgendwie richtig, aber nie wahr. Die Frage ist überflüssig. S. 55


Man beteiligt sich auch noch am Verfall, wenn man — freilich vergeblich — dagegen angeht oder das Fallende noch stößt.


»Organisch« — dies versteht man jetzt als: auf Planung gestellt — d.h. belangt ins Ge-Stell.

Die kybernetische, informationstheoretische Auslegung des Biologischen ist nur eine Folge dieses Belangs. Daß sich auf diesen Schienen unabsehbare Erfolgsmöglichkeiten der Forschung anbieten, sollten fast die Dümmsten erkennen. Die Idiotie dieses Betriebes wird aber durch das Bestellen der entsprechenden Bedürfnisse und Erwartungen zugedeckt. Man bestellt sich zugleich die nötige, dem Ge-Stell gemäße Möglichkeit der öffentlichen Bestätigung.


Information — ob richtige oder unrichtige, ist eine Frage zweiten Ranges; daß wir überhaupt der Information ausgesetzt sind, bleibt entscheidend. (Zu Information: Hebel — der Hausfreund.)27


26 [Vgl. Karl Mannheim:Freiheit und geplante Demokratie. Westdeutscher Verlag: Köln/Opladen 1970 ist eine Übersetzung des bereits 1951 in London veröffentlichten Buches Freedom, Power and Democratic Planning.]

27 [Martin Heidegger: Hebel — der Hausfreund. In: Ders.: Aus der Erfahrung des Denkens. GA 13. A.a.O., S. 133—150.]


Martin Heidegger (GA 102) Vorläufiges I-IV

GA 102